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Kieve in der Forschung – eine Masterarbeit

Blick auf Kieve

Mitte Mai 2018 erreichte mich die Anfrage eines jungen Studenten der Fachhochschule Neubrandenburg, ob er seine Masterarbeit über Kieve schreiben könne. Seine vorangegangene Bachelorarbeit hatte das Thema Abwanderung aus dem ländlichen Raum am Beispiel von Grabow-Below zum Inhalt und während der dortigen Recherchen erfuhr er, dass in Kieve anscheinend der Trend umgekehrt ist und Zuwanderung verzeichnet werden kann. Die Gründe dafür würden ihn interessieren und ein gutes Thema für seine Masterarbeit sein. Natürlich interessierte mich das Thema auch und so sagte ich ihm alle Unterstützung zu und half beim Kontaktaufnehmen und bei der Informationsbeschaffung. Bereits im August 2018 hatte er die Untersuchungen vor Ort abgeschlossen und war dankbar für die gute Zuarbeit der Kiever. Hier finden wir nun die Auszüge aus seiner Arbeit, die für uns Kiever besonders interessant sind. Die ganze Masterarbeit ist hier als PDF-Download  nachzulesen. Abschließend ist zu konstatieren, dass Kieve ein lebens- und liebenswertes Dorf ist, dass seine Traditionen pflegt, im Miteinander tolerant ist und optimistisch in die Zukunft blicken kann

Christine Jantzen

Auszug aus der Masterarbeit

5     Überblick über den Untersuchungsraum

Die Gemeinde Kieve befindet sich im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, und ist im Südwesten des Landkreises an der Grenze zum Bundesland Brandenburg. Sie gehört zum Amt Röbel/Müritz. Das Amt Röbel/Müritz besteht aus 22 Gemeinden und befindet sich südlich und westlich der Müritz. Im Amtsgebiet leben ca. 15.000 Menschen. Prägend für diese Region ist die Müritz, vor allem die an der Müritz gelegenen Orte sind touristisch sehr gut erschlossen. Die Orte, die sich nicht direkt an der Müritz befinden, wie z.B. Kieve, sind weniger gut touristisch erschlossen. Neben dem Tourismus ist die Landwirtschaft für die Region prägend. Zusätzlich zur Landwirtschaft und zum Tourismus sind für die Region auch die erneuerbaren Energien prägend, vor allem die Windkraft rückt immer mehr in den Fokus.

Abb. 15 Ortsmitte Kieve
Abb. 15: Ortsmitte Kieve

Im Amtsgebiet befinden sich ca. 13 Kindergärten, in Wredenhagen befindet sich eine Grundschule, diese reicht bis zur 4. Klasse, weitere Bildungseinrichtungen befinden sich in Röbel (Grundschule, Hauptschule und Gymnasium).

Tabelle 3: Demografische Daten Kieves

Bevölkerungsentwicklung Kieves

Insgesamt

Männlich

Weiblich

Zuzug seit 2000

Verzug seit 2000

Verstorben seit 2000

127

60

67

149

139

21

Kieve ist mit seinen 127 (Stand 31.12.2017) Einwohnern eine relativ kleine Gemeinde, die in den letzten Jahren einen relativ starken Zuzug erfahren hat. Dieser hat zur Folge, dass sich  auch die Altersstrukturen im Ort in den letzten Jahren verändert haben. Kennzeichnend für Kieve ist vor allem die ruhige Lage, der Ort ist nur über Kreisstraßen erreichbar, daraus resultiert,

daß es im Ort kaum Durchfahrtsverkehr gibt. Zudem befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Ort zwei Seen (Groß Kiever See und Glambecksee) und die Elde. Beide Seen sowie die Elde eignen sich für verschiedene Freizeitbeschäftigungen wie z.B. angeln, schwimmen und Kanu fahren.

Abb. 16 Siedlungsstruktur Kieves
Abb. 16: Siedlungsstruktur Kieves

 Ferner ist die Gemeinde durch ein sehr starkes soziales Engagement gekennzeichnet. Die Bewohner organisieren über das Jahr verteilt mehrere Feste und Veranstaltungen, welche auch immer sehr gut besucht sind. Bei den Festen handelt es sich zum einen um die Standardfeste wie z.B. Dorffest oder Erntedankfest und Weihnachtsfeier. Zum anderen werden Veranstaltungen auch von Einzelpersonen organisiert, wie z.B. ein weißes Dinner. Die Gemeinde ist vor allem für ihr seit 1946 jährlich stattfindendes Erntedankfest bekannt. Neben Festen finden im Ort auch noch andere Veranstaltungen statt, so wurde im Jahr 2017 eine Winterwanderung initiiert, zudem findet zweimal im Jahr ein Subotnik (Arbeitseinsatz) statt, bei dem die Bewohner Maßnahmen in ihrem Ort durchführen, mit dem Ziel ihren Ort noch ein bisschen besser zu machen. Ein weiteres Merkmal der Gemeinde ist die relativ gut ausgeprägte Nachbarschaftshilfe zwischen den einzelnen Bewohnern. In der Gemeinde selbst gibt es keine Vereine, es gibt aber eine Freiwillige Feuerwehr. Des Weiteren gibt es im Ort einen Dorfkrug der von Mittwoch bis Sonntag geöffnet ist. Die Besitzerin hilft ebenfalls bei der Organisation von Festen und Veranstaltungen. Im Dorfkrug wird auch ein Mittagstisch angeboten.

Mittlerweile ist die Gemeinde an das Breitband-Internetnetz angeschlossen, es gibt jedoch in der Gemeinde kein Mobilfunknetz. Seit kurzem gibt es in der Region ein Mobilitätsprojekt. Das Netzwerk der ELLI – Busse sollen auf den Bedarf der Menschen in der Region eingehen. Sie sollen vorrangig durch erneuerbare Energien angetrieben werden. Aktuell sind in der Region des Amtes Röbel/Müritz drei Busse im Einsatz. Das Ziel des Netzwerkes ist der Aufbau eines öffentlichen Nahverkehrsangebotes, dort wo Bahn, Bus und Taxis nicht mehr halten. Dies geht nur mit einer Kooperation zwischen dem öffentlichen Personennahverkehr und bürgerschaftlichen Engagements sowie über digitale Plattformen. Profitieren sollen von diesem Angebot vor allem Menschen, die bislang bei ihrer Mobilität auf ihre Angehörigen oder Nachbarn angewiesen waren. Hier müssen sich auch erst die Vorteile der ELLI-Busse rum sprechen. Mit dem Netzwerk der ELLI-Busse will man eine dauerhafte Verwirklichung und eine bedarfsgerechte und verbindende Mobilität bis tief in die Fläche hinein schaffen. Darüber hinaus sollen die ELLI-Busse dort greifen, wo der normale Linienverkehr nicht mehr verkehrt. Getragen wird das Projekt durch den Bürgerbusverein, dieser handelt nicht gewinnorientiert, um so den Gemeinden kostenträchtige Auflagen zu ersparen.

5.1 Historie Kieves

Die Gemeinde Kieve ist eine der ältesten Gemeinden im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Sie wurde erstmals im Jahr 1232 erwähnt. Zum ersten Mal urkundlich genannt wurde Kieve im Jahr 1311 (Koths: 2017).

Blick auf Kieve
Abb. 17: Blick auf Kieve

Frühgeschichtliche Funde, die in der Nähe von Kieve gemacht wurden, lassen darauf schließen, dass das Gebiet um die heutige Gemeinde Kieve auch schon früher besiedelt war. Mit dem Einsetzten der Völkerwanderung und dem Weggang der germanischen Stämme in dieser Region, kam es zur Besiedelung der Region durch slawische Stämme, welche dann die Region geprägt haben. Funde belegen, dass die um Kieve ansässigen Slawen hauptsächlich friedlebend waren und vorrangig Ackerbau, Viehzucht und Fischfang betrieben. Die Töpferei war im frühen Mittelalter einer der Hauptwirtschaftsbereiche (Koths: 2017). In der Umgebung der Gemeinde wurden unter anderem slawische Töpferarbeiten gefunden, aber auch Reste aus der Zeit der deutschen Ostkolonisation. So wurde am östlichen Dorfrand der Rest eines Töpferofens und am Südrand eine Töpferabfallgrube freigelegt. Ab dem 11. und 12. Jahrhundert drängten immer mehr deutsche Siedler über die Elde, ob sie die Slawen verdrängten oder mit ihnen zusammen lebten, ist nicht belegt (Koths: 2017).

Im 13. Jahrhundert war die Gemeinde Kieve, zusammen mit fünf weiteren Gemeinden (Glawe, Wüsterade, Groß-Berlin, Schönfeld und Winterfeld) im Besitz von Zisterzienser Mönchen (Koths: 2017). Es ist anzunehmen, dass die anderen fünf Gemeinden alle wüst fielen, zum einen können die Ursachen in der rücksichtslosen Bewirtschaftung und zum anderen in raubritterlichen Überfällen und Brandstiftungen liegen (Koths: 2017). Daher sah sich das Kloster gezwungen den Besitz, einschließlich Kieve im Jahr 1436 an die Stadt Wittstock zu verkaufen. Es kam jedoch zwischen der Stadt Wittstock und den mecklenburgischen Herzögen diesbezüglich immer wieder zu Streitigkeiten, welche erst im Jahr 1841 ihr Ende fanden (Koths: 2017). Im 30 jährigen Krieg blieb die Gemeinde zunächst von Zerstörung und Plünderung verschont. Die Gemeinde blieb fast 20 Jahre vom Krieg verschont, ehe sie durch Verrat und Pest dann schließlich doch geplündert wurde (Koths: 2017). Nach dem 30 Jährigen Krieg begann man in Kieve mit dem Wiederaufbau der Gemeinde. Bereits am Anfang des 18. Jahrhunderts hatte man die Anzahl an besetzten Höfen erreicht, welche sich bis in das 20. Jahrhundert hielt (Koths: 2017). Zwischen dem 18. Jahrhundert und 20 Jahrhundert war Kieve, wie vorher ebenfalls, vorrangig ein Bauerndorf.

Abb. 18 Dorfkrug Kieve
Abb. 18: Dorfkrug Kieve

Im 20. Jahrhundert hielt auch in Kieve der technische Fortschritt Einzug. Im Jahr 1904 wurde für eine Zahlung von 500 Mark von der kaiserlichen Post das erste Telefon im Ort installiert (Koths: 2017). Des Weiteren äußerten die 375 Einwohner Kieves im selben Jahr den Wunsch nach einem eigenen Standesamt, dass bis in das Jahr 1955 aktiv war (Koths: 2017). Kieve war wie jede andere Gemeinde ebenfalls dazu verpflichtet, im frühen 20. Jahrhundert eine Hebamme einzustellen und diese zu entlohnen und ihr eine Wohnung zur Verfügung zu stellen (Koths: 2017). Ab dem Jahr 1928 wurde die Gemeinde dann auch mit Strom versorgt, zudem wurde in diesem Jahr auch ein Reitverein gegründet.

In der Zeit des 3. Reiches änderte sich auch in Kieve einiges, das gesellschaftliche Leben im Ort brach zusammen, ferner wurde alles administrativ vorgegeben und bestimmt. Fast alle Männer des Ortes mussten während des Krieges in den Kampf ziehen. Vom Krieg bleibt Kieve weitestgehend verschont, jedoch spürten ihn die Bewohner anhand der zu leistenden Abgaben. Dies stellte die Verbliebenden vor große Herausforderungen. Bemerkenswert war jedoch der Zusammenhalt der Bevölkerung in dieser Zeit (Koths: 2017).

5.2 Kieve heute

Abb. 19 Ortskern Kieve
Abb. 19: Ortskern Kieve

Kieve ist, wie bereits beschrieben, durch ein starkes soziales Engagement gekennzeichnet. In der Gemeinde herrscht ein großes Gemeinschaftsgefühl, jeder scheint für den anderen da zu sein, wenn dieser etwas benötigt. Dabei kann es sich um einfache alltägliche Dinge, wie z.B. ein Stück Butter handeln oder auch  darum, ob jemand auf den Hund des Nachbarn aufpassen kann, wenn dieser in den Urlaub fahren möchte.

Ein weiteres Merkmal, welches Kieve aktuell positiv kennzeichnet, ist die bunte Mischung an Personen die in der Gemeinde leben. Das sind zum einen Menschen mit einer alternativen Lebenseinstellung, z.B. Zugezogene aus Großstädten wie Berlin. Aber auch Menschen, die aus der Region stammen und sich entschlossen haben, nach ihrem Studium oder ihrer Ausbildung in ihre Heimat zurückzukehren. Des Weiteren ist die Gemeinde durch eine große Offenheit gekennzeichnet. So verschließen sich die Menschen im Ort nicht gegenüber neuen Ideen und Gedanken.

Diese Mischung aus Alternativen, Zugezogenen und Rückkehrer ist für viele der Bewohner eines der Attribute, welches die Gemeinde auszeichnet und hervorhebt. Ein weiteres Merkmal der Gemeinde ist der bereits starke Zusammenhalt und die Toleranz in der Gemeinde. Menschen die sich dazu entschlossen haben, nach Kieve zu ziehen, werden nicht schief angekuckt, sondern offen und warmherzig begrüßt und sofern diese es auch wollen, sofort in das gemeinschaftliche Leben integriert. Zudem zeichnet Kieve heute aus, das sich jeder, sofern er es möchte,  in die Gemeinde einbringen kann. So z.B. bei einem Filmeabend in einer Scheune oder beim Public Viewing bei der Fußball Europa- oder Weltmeisterschaft. Weiterhin ist es für Kieve besonders, dass jeder, der sich dazu entschließt, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen, auch etwas mitbringt, wie z.B. Getränke oder Essen. Des Weiteren ist es in Kieve so, dass zu runden Geburtstagen oft das ganze Dorf eingeladen ist und jeder zu dieser Feier etwas mitbringt (Kiever-Mitbringpartys).

Abb. 20 Badestelle Glambecksee
Abb. 20: Badestelle Glambecksee

Prägend für Kieve ist auch die Landschaft, die sich um die Gemeinde herum befindet. Hier sind vor allem die Wälder und die Gewässer hervorzuheben. Die Landschaft ist heute auch durch die Landwirtschaft gekennzeichnet, zudem befindet sich am Rand der Gemeinde eine Moorrenaturierungsfläche. 

6.4 Vorgehensweise bei der Auswertung

Abb. 21 Dorfstraße in Kieve
Abb. 21: Dorfstraße in Kieve

Die 16 Interviewpartner/-innen gewährten mir bei den Interviews einen Einblick in ihr persönliches, in das soziale und kulturelle Leben in der Gemeinde Kieve. Dabei kamen Informationen zutage, die zeigen, dass in unseren peripheren ländlichen Räumen nicht alles schlecht sein muss. Vielmehr wurde deutlich, dass das Leben in einem peripheren ländlichen Raum, abseits von Hauptverkehrswegen, mehr Vorteile als Nachteile bieten kann.

Insgesamt wurden bei den Interviews zwölf Haushalte befragt. Dabei handelte es sich um Einzelgespräche bzw. um Gespräche mit zwei Personen. Am Ende nahmen an den Interviews 16 Personen teil. Bei der Auswertung der Interviews wird lediglich das Interview gewertet. Es wird dabei nicht berücksichtigt ob es sich um ein Einzelpersonen- oder Mehrpersonengespräch handelte. Um die Interviews qualitativ auswerten zu können, war es zunächst einmal notwendig, sich die Audiodateien genau anzuhören und die Aussagen der Befragten den einzelnen Fragen im Fragebogen zuzuweisen. Dadurch ist es möglich, schnell auf die benötigten Aussagen der einzelnen Personen zuzugreifen.

Im weiteren Vorgehen bei der Auswertung der Interviews war es wichtig, die interviewten Personen zu klassifizieren. Die befragten Personen wurden dabei hinsichtlich ihrer Herkunft klassifiziert. Andere Klassifizierungen wie bspw. das Alter, sind aufgrund der Verschiedenheiten der Befragten eher eine ungünstige Klassifizierung. Die beiden Klassen sind zum einen die der Rückkehrer und zum anderen die der Zugezogenen. Der Vorteil bei dieser Klassifizierung ist, dass die eine Hälfte der Interviews mit Rückkehrer geführt wurde und die andere nicht. Rückkehrer sind in Kieve oder in der Region um Kieve, sprich im Gebiet des heutigen Amt Röbel/Müritz geboren und/oder aufgewachsen. Sie sind im gewissen Maße mit der Region verbunden und kennen sich in der Region aus. Zu dieser Gruppe werden auch Menschen dazu gezählt, welche schon einen längere Zeitraum in der Region leben, aber erst vor kurzem nach Kieve gezogen sind. Kennzeichnend für die Gruppe der Rückkehrer ist, dass sie für ihre Ausbildung oder ihr Studium die Region verlassen haben. Sie aber in dieser Zeit in regelmäßigen Abständen immer wieder nach Hause kamen. Des Weiteren ist für sie kennzeichnend, dass sie in einem peripheren ländlichen Raum aufgewachsen sind und somit die Vor- und Nachteile kennen. Ferner wissen sie auch, was das Leben im ländlichen  Raumerfordert. Die Gruppe der Zugezogenen sind in den meisten Fällen aus einer größeren Stadt wie bspw. Berlin nach Kieve gezogen. Für diese Gruppe ist kennzeichnend, dass viele von ihnen auch in einer ländlichen Region aufgewachsen sind, sie diese aber für ihr Studium oder Ausbildung verlassen haben und sich danach entschieden haben, nicht in ihre Heimat zurück zu gehen. In den meisten Fällen lässt sich sagen, dass diese Gruppe von der Großstadt in den ländlichen Raum gezogen ist.

Ferner können den beiden Gruppen auch einige Merkmale zu gewiesen werden, die sich bei der Auswertung als nützlich erwiesen haben. Diese beziehen sich vor allem, auf den Zeitpunkt, bevor die Befragten nach Kieve gezogen sind.

Tabelle 4: Merkmale der beiden Interviewgruppen

 

Rückkehrer

Zugezogene

Merkmale

Kennen die Region.

Kannten die Region vor ihrem Umzug nicht oder nur wenig.

Sind mit dem Positiven und Negativen der Region vertraut.

Mussten sich erst an das ländliche Leben gewöhnen.

Sind in der Region aufgewachsen.

Lebten in ihrer Kindheit auf dem Land, haben dann aber den größten Teil in der Stadt gelebt.

Kennen die Vorteile und Nachteile des ländlichen Lebens.

 

Kannten wahrscheinlich schon vor ihrem Umzug den Ort.

 

Sind mit ihrer Heimat verbunden.

 

Haben ihre Familie in der Nähe.

 

Im weiteren Verlauf der Auswertung, wurden die Fragen genauer betrachtet, welche bei der Beantwortung der zentralen Fragestellung besonders hilfreich sind. Dabei wurden für jede Frage die Aussagen der einzelnen Befragten zusammen gefügt, sodass man die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der einzelnen Aussagen besser erarbeiten konnte. Anschließend wurden die Aussagen der Befragten zusammengefasst und nach ihren zugehörigen Gruppen sortiert. Weiterhin wurden die Aussagen nach ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden sortiert. Danach wurden Tabellen erstellt, in denen die ausgewählten Aussagen gegenübergestellt wurden.

Dabei wurde für die Frage: Welche Auswirkungen hatte der Umzug auf ihre Lebensqualität, im Vergleich zum vorherigen Wohnstandort, zwei Tabellen erstellt, in der jeweils die Vor- und Nachteile gegenübergestellt wurden.  Für die Weiteren Fragen: Was war der Hauptgrund für Sie, nach Kieve zu ziehen und was macht Kieve besonders? Die Aussagen der beiden Gruppen wurden gegenüberstellt und verglichen. Die beiden Fragen, Wie bewerten sie ihre Lebensqualität in Kieve und wie beurteilen sie Kieves räumliche Lage, wurden jeweils in Textform beschrieben.

7. Auswertung der Interviews

Bei der Auswertung der Interviews wurden die Aussagen der Befragten zusammengefasst und nach Gemeinsamkeiten sortiert, sodass am Ende die gemeinsamen Aussagen der jeweiligen Gruppen in die Tabellen eingetragen oder zusammengefasst werden konnten.

7.1 Motive für den Umzug nach Kieve

Bei dieser Frage sollten die befragten Personen ihre Hauptgründe offenlegen, warum sie sich für einen Umzug nach Kieve entschieden haben bzw. warum sie  das Leben in der Ländlichkeit gesucht haben. Dabei ist interessant zu sehen, wie die interviewten Personen überhaupt auf den Ort Kieve gestoßen sind und was sie letztendlich dazu veranlasst hat, in eine periphere ländliche Region zu ziehen. Gerade die Gründe sind sehr individuell ausgeprägt und von Person zu Person unterschiedlich. So kommen z.B. die einen aus dem Ort oder sind dort geboren, sind dann mit ihren Eltern fortgegangen und sind dann nach über 50 Jahren wieder zurück gekommen. Andere wiederum sind durch einen Immobilienmakler auf den Ort aufmerksam geworden und andere Personen sind durch einen glücklichen Zufall nach Kieve gekommen. Für einige der interviewten Personen war es auch wichtig, in der Nähe ihrer Eltern zubleiben, sodass ihre Kinder in der Nähe der Großeltern aufwachsen können. Für andere war es wichtig, dass das Haus bezahlbar ist.

Tabelle 5: Motive für den Umzug nach Kieve

 

Hauptgründe der Befragten für den Umzug nach Kieve

Gründe

Rückkehrer

Zugezogene

Kinder sollten im ländlichen aufwachsen.

Kinder sollten im ländlichen aufwachsen.

Familie lebt in der Nähe

Suchten das Ländliche.

Wollten nicht länger in der Stadt leben.

Wollten raus aus der Stadt.

Die Landschaft um Kieve.

Die alternative Kultur in Kieve.

                                                                                                             

7.2 Auswirkungen auf die Lebensqualität

Bei diesem Vergleich sollten die Befragten ihre Lebensqualität, in Bezug auf ihren vorherigen Wohnstandort oder auch mit dem Leben in der Großstadt vergleichen und beschreiben, was für sie positiv und negativ war bzw. ist. Hierfür wurden die Aussagen der Befragten in einer Tabelle zusammengefasst und zwischen den beiden Personengruppen unterschieden. Viele der Befragten haben hierbei ihre Erfahrungen, die sie in der Stadt und jetzt im ländlichen gemacht haben, miteinander verglichen und bewertet. Nachfolgend sollten die interviewten Personen noch ihre aktuelle Lebensqualität in Kieve beurteilen.

Die Frage inwieweit sich die Lebensqualität verbessert hat, zielte immer auf den Vergleich zwischen dem Leben in urbanen Räumen und dem jetzigen Leben in Kieve ab. Allgemein lässt sich formulieren, dass das Landleben für alle befragten Personen mehr Vorteile und eine bessere Lebensqualität bietet, als das Leben in Großstädten oder dichten urbanen Räumen. Somit lässt sich sagen, dass sich bei allen Befragten Personen die Lebensqualität mit dem Umzug nach Kieve deutlich verbessert hat. Dies wird vor allem bei denen deutlich, die vor ihrem Umzug in Großstädten wie bspw. Berlin gelebt haben.

Tabelle 6: Auswirkungen auf die Lebensqualität, Rückkehrer

Auswirkungen auf die Lebensqualität die mit dem Umzug einhergegangen sind

Aussagen der  Rückkehrer

Vorteile

Nachteile

Man braucht sich keine Sorgen um die Kinder machen, wenn diese draußen spielen.

Medizinische Versorgung ist in einer Stadt besser.

Man ist sofort in der Natur, wenn man spazieren oder joggen geht.

Für Jugendliche ist das Dorfleben nicht immer gut, müssen zu Aktivitäten gefahren werden.

Dorfleben bietet mehr Wohlbefinden, das Dorf ist schöner als die Stadt.

Im Winter ist das Dorf nicht immer gut erreichbar.

Lebensqualität hat sich deutlich verbessert.

 

Die Kinder erleben noch die Natur.

 

Im Alter muss man auf dem Dorf keine Miete mehr bezahlen.

 

Das Leben ist Sorgenfreier und man lebt deutlich entspannter.

 

In Kieve ist immer etwas los.

 

Die Vorteile die das Leben im ländlichen für die befragten Personen mit sich bringt, sind hauptsächlich die Ruhe und Erholung. Des Weiteren gaben sie an, dass man nicht der permanenten Hektik und Stress der Großstadt ausgesetzt ist. Darüber hinaus gaben die meisten der Befragten an, dass ihrer Meinung nach das Landleben gesünder sei. Im Allgemeinen beschrieben die Befragten das Leben auf dem Dorf als deutlich besser als das Leben in der Stadt. Das Stadtleben wurde von allen Befragten negativ bewertet. Des Weiteren gaben die interviewten Personen an, dass sie in Kieve mehr Möglichkeiten in ihrer Freizeitgestaltung haben. Das wird vor allem mit den kürzeren Wegen in Kieve begründet. So läuft man bspw. nur zwei Minuten bis zum Wald. Der Badesee ist auch nur fünf Minuten entfernt. Gerade diese recht einfach erscheinenden Dinge, wie ein Badesee oder die Entfernung zum nächsten Wald, sind es, welche für die befragten Personen die Vorteile ausmachen. In Großstädten, wie Berlin, gibt es auch Strandbäder oder Parks für die Naherholung, doch sind diese meist überlaufen und überfüllt. Zudem gaben einige der Interviewten an, dass man dafür erst die nächste Straßenbahn hätte nehmen müssen, während sie in Kieve nur einen kurzen Weg  zum nächsten Badesee haben.

Tabelle 7: Auswirkungen auf die Lebensqualität, Zugezogene

Auswirkungen auf die Lebensqualität die mit dem Umzug einhergegangen sind

 

Vorteile

Nachteile

Aussagen der  Zugezogenen

Lebensqualität hat sich verbessert. Das Leben ist deutlich entspannter.

Für Jugendliche ist das Leben auf dem Dorf nicht immer von Vorteil.

Man hat mehr Platz und Raum zum Leben.

Die Medizinische Versorgung ist in einer Stadt wie Berlin deutlich besser.

Die Natur und die verschiedenen Jahreszeiten werden deutlich sichtbarer.

Die Wege in der Stadt sind kürzer.

Das Leben ist ruhiger.

Die Verkehrsinfrastruktur ist in Städten deutlich besser.

Man unternimmt Aktivitäten die man in Berlin nicht unternommen hätte.

Die Stadt bietet mehr Kulturangebote.

Man kann sich selbst versorgen.

 

Es gibt in und um Kieve keine Industrie und Gewerbeflächen.

 

Das Landleben ist deutlich gesünder, als das Leben in der Stadt, bessere Luft als in der Stadt.

 

Für die Kinder ist die Umgebung toll.

 

Ein weiterer Vorteil für viele der Interviewten ist, dass eigene Wohneigentum und die damit verbundene Unabhängigkeit im Alter von steigenden Mieten. Ferner bietet das eigene Haus mit Hof und Garten auch mehr persönliche Freiheiten. So gaben die Befragten an, es sei einfacher, von der Arbeit abzuschalten, weiterhin nannten sie auch, man hat weniger Probleme mit dem Nachbarn, wenn man z.B. mal die Musik etwas lauter macht, was in städtischen Neubaublöcken durchaus problematisch sein kann. Gerade der eigene Hof und Garten ist für viele ein unschätzbarer großer Vorteil für das Dorfleben. So hat man die Möglichkeit, sich zu großen Teilen selbst mit Obst und Gemüse zu versorgen.

Des Weiteren sehen viele der Befragten auch Vorteile für ihre Kinder, zum einem, werden diese noch in der Natur groß und erleben sie, zum anderen, müssen die Kinder nicht ständig beim Spielen überwacht werden. Ferner gaben die interviewten Personen auch an, dass man sich nicht ständig Sorgen machen muss, wenn das Kind am Abend von Freunden nach Hause geht oder wenn es mal eine halbe Stunde zu spät ist.

Abb. 22 Wanderungsbewegungen
Abb. 22: Wanderungsbewegungen der Befragten

Neben den Vorteilen, gibt es aber auch Nachteile, die das Landleben mit sich bringt. Von den befragten Personen wurde jedoch nur die medizinische Versorgung als einziger gravierender Nachteil genannt. Dabei muss man auch zwischen den beiden Gruppen unterscheiden. Denn gerade die Zugezogenen, haben die medizinische Versorgung als Nachteil beschrieben. Die Erreichbarkeit und Verfügbarkeit von Fachärzten wird als negativ empfunden. Des Weiteren gaben einige der befragten Personen an, dass für Jungendliche das Dorfleben von Nachteil sein kann, denn wenn man Freunde treffen möchte, die nicht im selben Ort wohnen oder wenn man in Vereinen tätig ist, ist man auf die Mobilität der Eltern angewiesen.

Weitere Nachteile, wie z.B. fehlende kulturelle Einrichtungen (Theater, Kino oder Konzerte) oder dass man zum Einkaufen in die nächste Stadt fahren muss, werden von den Befragten nicht als Nachteil empfunden. Gerade der wöchentliche Einkauf wird dazu genutzt, weitere Erledigungen in der Stadt zu tätigen. Vieles ist laut den Befragten auch eine Frage der Organisation. So muss sich über seine eigene Versorgung mehr Gedanken machen, als andere in der Stadt, weil man nicht mal ebenso schnell zum nächsten Supermarkt laufen kann. Ferner gaben viele der interviewten Personen an, dass sie trotz der Lage Kieves die städtischen Kulturangebote wie Theater, Kino oder Konzerte wahrnehmen können.

7.3 Wahrnehmung der räumlichen Lage

Eine weitere Frage des Interviews war: Ob die Menschen, die Region in der sich Kieve befindet und ob sie Kieve selbst als abgelegen bezeichnen würden? Diese Frage wurde mit dem Hinblick auf die verschiedenen Raumkategorien, die es in Deutschland gibt gestellt. Denn laut dieser Raumkategorien befindet sich Kieve in einer peripheren Region. Das Ziel dieser Frage war es, herauszufinden, wie die Befragten Personen ihre räumliche Lage einschätzen oder bewerten würden und ob es Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gibt. Ferner lässt sich sagen, dass es sich bei der räumlichen Empfindung um ein persönliches Gefühl handelt, d.h. wie nimmt die jeweilige Person ihre Umwelt war.

Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass die Befragten, bis auf zwei Ausnahmen, die Region grundsätzlich nicht als abgelegen beschreiben. Es ist dabei kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen zu erkennen. Einer der Gründe, warum für die Befragten Kieve nicht abgelegen ist, ist die Nähe zu den Städten Röbel und Wittstock. Beide Städte befinden sich ca. 15 Kilometer von Kieve entfernt. Die interviewten Personen gaben im Interview an, dass sie in beiden Städten alle notwendigen Einkaufsmöglichkeiten haben. Zusätzlich gibt es in Kieve einen kleinen Dorfladen, in dem man Obst, Gemüse und Eier kaufen kann. Ein weiterer Grund, warum die Region für die Befragten nicht abgelegen ist, ist die Nähe zur Autobahn A19, von welcher sich die Städte Berlin, Rostock, Schwerin und Hamburg schnell und bequem erreichen lassen. Viele der befragten Personen gaben zudem an, dass sie durch das aktive Dorfleben, welches Kieve auszeichnet, auch gar nicht das Gefühl vermittelt bekommen, dass sie abgelegen leben.

Abb. 23 Wanderungsbewegungen
Abb. 23: Wanderungsbewegungen der Befragten

Obwohl Kieve etwas abseits der Hauptverkehrswege liegt, ist der Ort für seine Bewohner scheinbar nicht abgelegen. In den Interviews haben es die Befragten jedoch an eine Bedingung geknüpft, nämlich der Besitzt eines oder mehrerer PKWs. Ohne die eigene Mobilität wäre einiges im alltäglichen Leben deutlich umständlicher. Ein weiteres Merkmal, welche den Ort in erster Linie abgelegen erscheinen lässt, ist der fehlende Mobilfunk im Ort. Tatsächlich wird dieser aber von den meisten der befragten Personen gar nicht als Nachteil empfunden, einige der Befragten gaben dies sogar als einen Vorteil für die Gemeinde an.

Es gab auch einige der Befragten, die empfinden Kieve als abgelegen. Dies wird vor allem, in schneereichen Wintern deutlich, da sich die Gemeinde abseits der Hauptverkehrswege befindet. So wird die Straße nicht immer sofort geräumt. Zudem ist die Gemeinde, wenn es, bedingt durch Stürme, zu Baumstürzen kommt, ebenfalls schlechter zu erreichen.

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass die meisten der interviewten Personen Kieves der Meinung sind, dass der Ort über eine gute infrastrukturelle Anbindung verfügt, wenn man selbst noch mobil ist. Weiterhin haben die meisten der befragten Personen angegeben, das Kieve keine abgeschiedene Lage aufweist.

7.4 Das Besondere an Kieve

Bei diesem Punkt sollten die befragten Personen beschreiben, was aus ihrer Sicht, ihren Ort auszeichnet und was ihn besonders macht. Hierfür wurden die beiden Gruppen gegenübergestellt und verglichen. Das interessante ist, dass es bei beiden Gruppen viele Gemeinsamkeiten in den Aussagen gegeben hat.

Tabelle 8: Das Besondere an Kieve für die Befragten

 

Besondere an Kieve für die Befragten

 

Rückkehrer

Zugezogene

Merkmale

Gemeinsamkeiten

Bauliche Struktur

Bauliche Struktur

Sozialer Zusammenhalt

Soziale Zusammenhalt

Die Menschen die im Ort leben

Die Menschen die im Ort leben

Das Landschaftsbild und die naturräumlichen Gegebenheiten

Das Landschaftsbild und die naturräumlichen Gegebenheiten

Die Nähe zum Glambecksee

Die Nähe zum Glambecksee

Ruhe und frische Luft

Ruhe und frische Luft

Kinder können unbeschwert im Dorf spielen und müssen nicht ständig beobachtet werden

Kinder können unbeschwert im Dorf spielen und müssen nicht ständig beobachtet werden

Im Sommer ist ständig etwas los im Ort

Im Sommer ist ständig etwas los im Ort

Die Bürgermeisterin und ihr Engagement für die Gemeinde

Die Bürgermeisterin und ihr Engagement für die Gemeinde

Kein Neubaublock im Ort

Kein Neubaublock im Ort

Nachbarschaftshilfe

Nachbarschaftshilfe

Unterschiede

Man findet immer jemanden für Aktivitäten

Man ist nicht mehr den städtischen Stress und Lärm ausgesetzt

Der Ort bietet alles, was man zum Leben braucht

Keine Industrie- und Gewerbeflächen

Aktivitäten sind selbstgemacht

Geringes Verkehrsaufkommen

 

Man wohnt da wo andere Urlaub machen

7.5 Soziales Engagement der Befragten

Wie in Kapitel 4 bereits beschrieben, zeichnet sich der Ort Kieve durch ein starkes soziales Engagement der Bevölkerung aus. Dies trifft im Großteil auch auf die interviewten Personen zu. So gaben die meisten Personen an, dass sie sich aktiv an den Arbeitseinsätzen (Subotniks) im Ort beteiligen und dass sie auch bei der Organisation von Festen und Veranstaltungen mitwirken, sowie an diesen teilnehmen. Darüber hinaus gaben einige der Interviewten an, auch selber aktiv Veranstaltungen für die Gemeinde zu organisieren, so wird z.B. zur Fußball Welt- und Europameisterschaft ein Publicviewing organisiert oder im Winter ein Filmeabend.

Abb. 24 Engagement in der Gemeinde
Abb. 24: Engagement in der Gemeinde

8. Rückkehrer in Kieve

Bei der Klassifizierung der Interviewten habe ich zwei Gruppen festgelegt, zum einen die Rückkehrer und die Zugezogene (siehe Kapitel 5.). Bei den Interviews bekam ich einen Einblick davon, was die Menschen, die entweder aus Kieve oder aus der Region um Röbel/Müritz stammen, dazu veranlasst hat, sich wieder in dieser Region niederzulassen. Auch bei diesen Rückkehrern waren die Gründe individuell und unterschiedlich.

Abb. 25 Wanderungsbewegungen
Abb. 25: Wanderungsbewegungen der Befragten

Vergleicht man die Aussagen der Interviewten Personen aus Kieve mit denen aus anderen Studien, wird deutlich, dass die Gründe, warum sich die befragten Personen für ein Leben in einer peripheren ländlichen Region entschieden, sich zum Teil ähneln. Die Gründe für die Gruppe der Rückkehrer waren:

  • Nähe zu den Eltern, die eigenen Kinder sollten in der Nähe ihrer Großeltern aufwachsen
  • Landschaft und Natur
  • Die Kinder können unbeschwert groß werden und sie lernen so den Umgang mit der Natur kennen
  • Das Leben in der Großstadt war nach einer gewissen Zeit nicht mehr attraktiv, der Stress und die Hektik waren auf Dauer nicht mehr tragbar
  • Wassernähe
  • Die Möglichkeiten des ländlichen Raumes nutzten

Viele der Rückkehrer haben sich ebenfalls vor allem aus sozialen Gründen entschieden, in ihre alte Heimatregion zurückzukehren, daneben spielten auch die Landschaft und Natur der Region für viele der Befragten eine wichtige Rolle. Für einige war die Verbundenheit mit der Heimat der Grund, warum sie nach einer kurzen Zeit beschlossen haben, wieder in diese zurückzukehren. Gerade die Nähe zu den Eltern und zur Familie (Schwester, Bruder usw.) war vielen der befragten Personen sehr wichtig, als sie sich dazu entschlossen haben, wo sie ihren neuen Wohnort beziehen möchten. Ein weiterer Hauptgrund für die Befragten, sich für eine Rückkehr in das ländliche zu entscheiden, waren die eigenen Kinder. Viele der interviewten Personen gaben an, dass es für sie wichtig ist, dass ihre Kinder oder ihr Kind draußen in der Natur unbeschwert aufwachsen soll. Des Weiteren gaben einige der befragten Personen an, dass für sie ein Leben in der Stadt bzw. in einer urbanen Region nie möglich gewesen wäre, da sie in einem Dorf aufgewachsen sind.

In den Interviews wurde ebenso deutlich, dass die Landschaft für viele auch ein Kriterium war, sich in Kieve niederzulassen, da sich diese für die verschieden Freizeitaktivitäten eignet. Die befragten Personen gaben an, dass man in den umliegenden Wäldern wandern, joggen und Fahrrad fahren könne. Zudem eignet sich die Region um Kieve für eine Vielzahl an Wassersportarten wie z.B. Schwimmen, Segeln und Rudern. Ein weiterer Grund, warum sich die befragten Personen gegen ein Leben in der Großstadt entschieden haben, ist der Wohlfühlfaktor. Die Personen gaben an, dass sie sich in der Stadt nicht mehr wohlgefühlt haben, das Leben dort war für sie zu stressig, zu hektisch und zu laut. Ferner gaben sie an, dass sie ihre Kinder auch nicht in einer Großstadt aufwachsen sehen wollten.

Abb. 26 Wanderungsbewegungen
Abb. 26: Wanderungsbewegungen der Befragten

Verglichen mit den Aussagen aus anderen Studien sind auch die Aussagen der befragten Personen aus Kieve relativ identisch mit Beweggründen vieler Rückkehrer in den ländlichen Raum. So nannten vom nexus Institut befragte Rückkehrer im Jahr 2010 vor allem, räumliche Aspekte wie z.B. Attraktivität, Freizeitangebote und Infrastruktur, als maßgebenden Grund für die Rückkehr (Düben & Blanckenburg 2014: S.18). Oftmals scheint bei der Entscheidung zu der Rückkehr in die Heimatregion auch die eigne Kindheit bzw. die Verbundenheit mit dieser Region eine Rolle zu spielen. Des Weiteren scheint auch die persönliche Einstellung zum Landleben und zur städtischen Lebensweise eine wichtige Rolle zu spielen, ob man sich dazu entscheidet, in den ländlichen oder auch peripheren ländlichen Raum zurückzukehren oder diesen nur für das Studium bzw. die Ausbildung verlässt.

Abb. 27 Gründe für die Rückwanderung
Abb. 27: Gründe für die Rückwanderung
Abb. 28 Wanderungsbewegungen
Abb. 28: Wanderungsbewegungen von Rückkehrern

9. Fazit zum Untersuchungsraum

Viele kleine Gemeinden in den ländlichen und peripheren ländlichen Räumen sind durch eine Vielzahl an Problemen und Herausforderungen gekennzeichnet. Diese sind unter anderem Abwanderung von jungen, vor allem gut ausgebildeten Menschen, daraus resultieren eine Überalterung der Bevölkerung, sowie mangelnde berufliche Perspektiven für junge Menschen.

Jedoch können auch kleine Gemeinden in peripheren ländlichen Regionen durchaus positive Merkmale aufweisen, so sind mittlerweile viele Gemeinden durch Zuzug oder auch durch Rückwanderung gekennzeichnet. So auch die Gemeinde Kieve im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. In den letzten Jahren ist sie durch Zuzug gekennzeichnet. Menschen die in Kieve oder in der Region des Amtes Röbel/Müritz aufgewachsen sind, sind zurückgekehrt oder sogar geblieben. Zudem sind Menschen, die aus anderen Regionen stammen, wie bspw. Berlin, nach Kieve gezogen. Der Zuzug der letzten Jahre hat zudem auch positive Auswirkungen auf die Bevölkerungsstruktur der Gemeinde, so ist Kieve durch relative viele Kinder gekennzeichnet. Der Zuzug hat außerdem auch Auswirkungen auf das soziale Engagement in der Gemeinde, Kieve ist durch ein starkes soziales Engagement gekennzeichnet. Dieses ist für Gemeinden im peripheren ländlichen Raum nicht selbstverständlich.

Gerade der Zuzug und die Rückwanderung der Menschen nach Kieve und das soziale Engagement der Bevölkerung, sowie der Bürgermeisterin machen den Ort Kieve zu dem, was er heute ist. Bei der Betrachtung der Gemeinde wurde deutlich, dass die Personen im Ort alle das Ziel haben, den Ort mit jeder Veranstaltung oder Aktivität immer ein Stück besser zu machen.

Aber nicht nur die Zugezogen oder die Rückkehrer sind es, die zum Gemeindeleben beitragen, während der Interviews wurde deutlich, dass es fast alle Bewohner sind, die zum Wohl und zur Attraktivität der Gemeinde beitragen.

Einen großen Anteil daran scheint auch das Engagement der Bürgermeisterin Frau Jantzen zu haben, welche seit ihrer Übernahme des Amtes der Bürgermeisterin vieles im Ort geschaffen hat. Aus einem Interview ging hervor, dass es im Ort Kieve nicht immer so lebendig war wie heute. Früher war der Ort auch wie viele Gemeinden eher eingeschlafen und inaktiv.

Mit Blick auf die aktuelle politische Diskussion, in der sich gerade periphere ländliche Räume befinden, ist Kieve ein Beispiel, wie man durch relativ wenige finanzielle Mittel und vielen Ideen und Tätigkeiten sehr viel für seinen Ort erreichen kann. Des Weiteren zeigt das Beispiel Kieve, dass auch kleine Gemeinden zukunftsfähig sein können. Gerade mit Hinblick, auf die aktuelle Diskussion, die das Gemeindeleitbildgesetz in der Bevölkerung vieler kleiner Gemeinden hervorgerufen hat, zeigt die Gemeinde Kieve, dass auch kleine Orte zukunftsfähige Strukturen aufweisen.

Die zentrale Fragestellung der Arbeit war es, herauszufinden was die Gemeinde Kieve auszeichnet. Abschließend lässt sich sagen, dass es die Menschen sind, die in der Gemeinde leben. Ihre Offenheit und ihre Hilfsbereitschaft ihren Mitmenschen gegenüber, sowie ihr Engagement, sind es, was den Ort Kieve auszeichnet.