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	<title>- Gemeinde Kieve - Mecklenburgische Seenplatte</title>
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	<title>- Gemeinde Kieve - Mecklenburgische Seenplatte</title>
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		<title>Kieve am Anfang des 20. Jahrhundert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joerg M.]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Oct 2017 09:56:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Technischer Fortschritt Das erste Telefon kam 1904 in unser Dorf. Gegen eine einmalige Zahlung von 500,- Mark aus dem Gemeindesparbuch wurde es von der Kaiserlichen Post installiert. Dem dringenden Wunsch der Einwohner zufolge wird 1904 in Kieve ein Standesamt eingerichtet (das Dorf hat in diesem Jahr 375 Einwohner). Standesbeamter wird der Schulze Wolter, Stellvertreter der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h4>Technischer Fortschritt</h4>
<p>Das erste Telefon kam 1904 in unser Dorf. Gegen eine einmalige Zahlung von 500,- Mark aus dem Gemeindesparbuch wurde es von der Kaiserlichen Post installiert.</p>
<p>Dem dringenden Wunsch der Einwohner zufolge wird 1904 in Kieve ein Standesamt eingerichtet (das Dorf hat in diesem Jahr 375 Einwohner). Standesbeamter wird der Schulze Wolter, Stellvertreter der Bildner und Schmiedemeister Genenz. Noch 1955 wurden die letzten Trauungen in diesem Amt vollzogen.</p>
<p>Jede Gemeinde war verpflichtet, sich eine Hebamme zu halten. Von 1904-24 war es in Kieve eine Mathilde Wegner, geb. Stintmann. Von der Gemeinde müssen ihre Ausbildungskosten getragen und die Arbeitsinstrumente besorgt werden. Außer einer Einliegerkompetenz erhält sie jährlich vierzig Mark und die freie Anfuhr von zwei Haufen Holz. Sie muss sich allerdings verpflichten, im Falle eines Fortzugs vor Ablauf von 10 Jahren für jedes fehlende Jahr 36 Mark Ausbildungskosten zurückerstatten. Nach Abschluss eines neuen Vertrages (1920) erhält sie eine freie Wohnung, aber nur noch dreißig Goldmark im Jahr.</p>
<p>Dass Kieve heute eine Bahnstation hätte und vielleicht sogar ein Vielfaches an Einwohnern, kann sich wohl niemand vorstellen. Doch, so unglaublich es klingen mag, 1911 wäre es beinahe Wirklichkeit geworden. In Bezug auf den etwa projektierten Bahnbau von Röbel über Kieve nach Dranse (einschließlich Buschhof) wird in einem Gemeindeprotokoll dahingehend berichtet, dass das benötigte Land freigegeben werde unter der Bedingung, dass in Kieve ein Haltepunkt vorgesehen oder in annehmbarer Nähe des Ortes errichtet werde. Nun &#8211; es war wohl nur ein Kuckucksei.</p>
<p>1924 gab es in der Gemeinde auch einen Gesangsverein. Die Dorfversammlung genehmigte ihm sogar die Benutzung der 1. Schulklasse als Vereinslokal.</p>
<p>1928 hören wir zum ersten Mal, daß die Gemeinde mit Strom versorgt werden soll. Die Versorgung und Installation soll jedoch laut einem Gemeindebeschluss nur geschehen, wenn dies auf einer preiswerten und für das Dorf günstigen Grundlage erfolgt.</p>
<p>Pferde gehörten schon immer zum Dorfbild in Kieve. Zeitweise gab es sogar erstaunlich viele, wie zum Beispiel 1946: 106 Stück. Sie waren stets der ganze Stolz der Bauern, kein Wunder, denn bis zu der Zeit, als es erste Traktoren gab, waren sie lebensnotwendig. Aber die Pferde wurden ja nicht nur als Nutztiere verwandt, sondern auch zur sportlichen Betätigung, besonders zum Reiten. Diese Sportart war die wohl beliebteste unter den Einwohnern. 1928 gab es in unserem Dorf sogar einen Reitverein.</p>
<h4>Machtverhältnisse und Gemeindeverwaltungen</h4>
<p>Auch über die Machtverhältnisse und die Gemeindeverwaltungen, die existierten, gibt es viel zu erzählen. Nachdem wir, wie schon erwähnt, bis zum 17. Jahrhundert von dem Schulzen Peters-Schultze hören, unterschreibt in den uns erhalten gebliebenen Gemeindeprotokollen und -papieren seit dem 18. Jhd. ununterbrochen bis 1914 ein Schulze Wolter, der Erbschulze ist.</p>
<p>Entsprechend den Besitzverhältnissen gab es auch in Kieve drei Hauptschichten. Die bestimmende Schicht war die der Bauern, welche auch den Schulzen bzw. Bürgermeister stellte, die zweite Schicht die der Büdner. Aus einem Revisionsstatut der Gemeindeordnung von 1875 erfahren wir: „Der Gemeindevorstand besteht aus dem Dorfschulzen und zwei Schöffen. Die Dorfversammlung wird außer den Mitgliedern des Gemeindevorstandes, dem Prediger, dem Küster und dem Holzwärter in folgender Weise gebildet: Die Besitzer der zehn größeren und der fünf kleineren Bauernhufen bilden drei Abteilungen, von denen z. Z. immer zwei Abteilungen zur Dorfversammlung gehören und von denen alle zwei Jahre eine Abteilung aus der Dorfversammlung ausscheidet, wogegen eine neue Abteilung wieder eintritt. Die Büdner haben drei Vertreter, oder falls bereits ein Büdner Mitglied des Gemeindevorstandes ist, zwei Vertreter. Die Häusler haben für die Dorfversammlung einen Vertreter zu stellen.&#8220;</p>
<p>Zu jener Zeit (1872) gehören dem Gemeindevorstand der Schulze Wolter und die Schöffen Genenz und Bruhn an. Als im Februar 1915 erstmals Wolters Unterschrift fehlt (sie ist 1918 wieder da), war er also mindestens 43 Jahre ununterbrochen Schulze.</p>
<p>1879 werden für weitere 6 Jahre von den Häuslern und Einliegern der Häusler Johann Riese und von den Büdnern Joachim Wegner und Fritz Dethling als ihre Vertreter wiedergewählt.</p>
<p>Wie anderswo, so war auch für Kieve das ständige Anwachsen und der Aufstieg der „kleinen Leute&#8220; bemerkenswert.</p>
<p>Von 1663-1703 wuchs die Zahl der Einlieger von vier auf zehn, 1775 begegnen wir 14 Büdnern und 2 Einliegern und 1872 sind 20 Bildner, 14 Häusler und 26 Einlieger vorhanden. 1933 sind 20 Bildner und 27 Häusler registriert.</p>
<p>Der grundlegende Unterschied zwischen den beiden Schichten war, daß die Büdner eigenes Land besaßen, die Häusler dagegen nicht. Auch durften sich die Büdner eine Kuh halten, was bei den Häuslern nur in Ausnahmefällen genehmigt wurde. Die Kühe wurden zwar auf eine gemeinschaftliche Weide allerdings nach beiden Schichten getrennt &#8211; gehütet.</p>
<p>Durch die Gemeinschaftsarbeit dieser beiden Schichten entstand eine Art Vorstand. Daher hören wir in Erzählungen auch immer noch die erhalten gebliebene Bezeichnung Büdner- bzw. Häuslerbürgermeister.</p>
<p>In der Dorfversammlung arbeiten also Ende des vorigen Jahrhunderts sechs bis sieben Erbpächter, die die Macht ausüben, zwei Büdner und ein Häusler. Durch ihre Mehrheitsbeschlüsse können die Erbpächter alles zu ihren Gunsten entscheiden und beschließen. Häusler und Büdner bekamen sehr viele Pflichten und Lasten auferlegt, die ihr Leben noch schwerer machten. Auch Proteste der Büdner und Häusler halfen nicht, da sie ja in der Minderheit waren. Als aufgrund der Mecklenburgischen Verfassung von 1919 eine Neuwahl durchgeführt wird, ändert sich nichts; der bisherige Schulze Wolter wird wiedergewählt und auch als Schöffen bleiben Erbpächter im Amt. Doch 1922 wird das anders; die Machtverhältnisse wandeln sich. Schulze wird der Häusler Adolf Peters, Schöffen Wilhelm Wolter und der Häusler August Wehland. Weitere Gemeindevertreter sind: die Häusler F. lhde und F. Brandt, die Büdner Fritz Scheffer und Franz Thiel, der Einwohner Hermann Krabbe und der Hofbesitzer Wilhelm Wolter. Häufig lesen wir in der Folgezeit bei Beschlüssen von einer einzigen Gegenstimme (Hofbesitzer Wolter). Aber die Büdner und Häusler verstehen es, Veränderungen zu ihren Gunsten vorzunehmen und den „Großen&#8220; Pflichten aufzuerlegen, beispielsweise bei der Einteilung der Hand- und Spanndienste.</p>
<p>In der weiteren Entwicklung, das heißt bei den nächsten Wahlen, können wir beobachten, daß die Zahl der Hofbesitzer in der Dorfversammlung zunimmt, denn 1924 sind es zwei und 1927 sogar schon drei. Außerdem wird 1927 der Hofbesitzer August Wolter schon wieder als Schöffe gewählt. Schon hier bahnt sich ein erneuter Wechsel der Machtverhältnisse an. Als schließlich dem Hofbesitzer die Beschlüsse von 1930 überhaupt nicht passen, treten ihre Vertreter aus der Dorfversammlung aus und blockieren so deren Beschlussfähigkeit. 1932 standen die „kleinen Leute&#8220; noch einmal auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Es wurden letzte Beschlüsse zu ihren Gunsten gefasst, die jedoch schon ein Jahr später, nach dem Machtantritt Hitlers, aufgehoben und neu beschlossen werden. Bestes Beispiel dafür war die Verteilung der Kosten für den Bau der Chaussee Kieve-Hinrichshof.</p>
<p>Die einzige Wahl während der Zeit des Faschismus im Mai 1933 brachte wiederrum einen Wechsel der politischen Macht im Dorf. Die Hofbesitzer erhalten schlagartig ihren früheren Einfluss zurück. Schulze wird der Altenteiler Wilhelm Wolter, Schöffen der Hofbesitzer August Walter und der Bildner August Wille. Zur Dorfversammlung gehören außerdem ab jetzt: die Hofbesitzer Wilhelm Ihde, Louis Niemann, August Wolter, Werner Stintmann, der Milchfahrer Wilhelm Käther, der Häusler Gustav Nagel.</p>
<p>Das gesellschaftliche Leben reißt ab, alles wird von oben administrativ festgelegt. Der Krieg beginnt, in den fast alle Männer aus Kieve ziehen müssen und in dem viele von ihnen auf fremder Erde umkommen. Im Dorf selbst spürte man den Krieg nur an den zu leistenden Abgaben. Für die Frauen und Söhne stellten sie beträchtliche Lasten dar. Dabei war jedoch der feste Zusammenhalt der Einwohner bemerkenswert. Auch die durchziehenden Flüchtlingsströme in den letzten Kriegswochen und -tagen konnten die Kiever Bürger nicht dazu bewegen, Haus und Hof zu verlassen.</p>
<pre>Quelle: 1232 - 1982, 750 Jahre Kieve - Eine Chronik, erarbeitet von Gerd Koths</pre>
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		<title>De swarten Kivver (Die schwarzen Kiever)</title>
		<link>https://www.kieve.de/historisches/de-swarten-kivver-die-schwarzen-kiever/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joerg M.]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Oct 2017 07:21:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kieve]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Mecklenburgisches Dorfbild aus der Zeit vor dem 1. Weltkriege Von Walter Burmeister Nach dreijährigem Besuch der Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinschen Präparandenanstalt in Neukloster hatte mein Jahrgang im Herbst 1912 die sogenannte Schulassistentenprüfung bestanden. Wir sollten nun eine Schulstelle erhalten und den ersten Beweis dafür erbringen, dass wir zum Lehrberuf geeignet seien. Frühestens nach einem Jahr würden [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h3>Ein Mecklenburgisches Dorfbild aus der Zeit vor dem 1. Weltkriege</h3>
<h4>Von Walter Burmeister</h4>
<p>Nach dreijährigem Besuch der Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinschen Präparandenanstalt in Neukloster hatte mein Jahrgang im Herbst 1912 die sogenannte Schulassistentenprüfung bestanden. Wir sollten nun eine Schulstelle erhalten und den ersten Beweis dafür erbringen, dass wir zum Lehrberuf geeignet seien. Frühestens nach einem Jahr würden wir dann die Aufnahmeprüfung zum Eintritt in das Lehrerseminar machen dürfen Uns allen erschien die vor uns liegende Schulassistentenzeit nach dem bisherigen straff geregelten Internatsleben als ein Dasein in goldener Freiheit. Von den älteren Kameraden wussten wir so manches über gute und weniger gute Stellen, dass es kein Wunder nahm, wenn wir täglich erwartungsvoll dem Briefträger entgegeneilten, um zu erfahren, wohin das Großherzogliche Ministerium uns abgeordnet habe.</p>
<p>Endlich kam für mich ein Schreiben mit dem Inhalt, dass ich die zweite Schulstelle in Kieve, Amt Wredenhagen, verwalten solle. Von diesem Ort hatten weder mein Vater noch ich jemals gehört. Auf der Landkarte fanden wir ihn schließlich in der südöstlichsten Ecke des Landes. Wir sahen, dass die nächste Bahnstation 20 km von dem Ort entfernt war und dass auch keine Chaussee ihn berührte. Im Oktober war Röbel noch mit dem Dampfer von Waren aus zu erreichen, so dass ich mir die sehr umständliche Bahnfahrt über Karow und Ganzlin ersparen konnte. Der Schulze des Dorfes war von mir um Abholung gebeten worden. Ich erwartete am Hafen in Röbel einen neuen Stuhlwagen mit flotten Pferden. Stattdessen stand dort ein Planwagen in der Art, wie sie im Jahre 1200 unsere Vorfahren benutzt haben mögen, als sie von Westfalen nach Ostland zogen. Zuerst ging es noch glatt vorwärts auf der nach Wittstock führenden Chaussee, dann aber mussten wir hinein in tiefste morastige Landwege, mit denen natürlich im Spätherbst kein Staat mehr zu machen war.</p>
<p>Nach vier Stunden lud mich der Bauer am Schulhause des Dorfes ab. Die Gattin des ersten Lehrers empfing mich freundlich mit einem guten Abendessen. Der Kollege sagte mir, dass seine Frau mich leider nicht dauernd in Verpflegung nehmen könne. Er hätte aber schon mit dem Gastwirt, der gleichzeitig der Schmiedemeister des Dorfes sei, gesprochen. Wahrscheinlich würde ich dort für einen annehmbaren Preis alle Mahlzeiten einnehmen können. Wir würden nach dem Abendbrot gleich die Angelegenheit in Ordnung bringen. Die Schmiede lag neben dem Schulhause. Wir gingen durch die beiden ersten Gaststuben und kamen in das Honoratiorenzimmer. Dort erwarteten uns alle Prominenten, um den „Lütten Lehrer&#8220; gleich beim Umtrunk kennenzulernen. Da waren also der Schulze des Dorfes, ein noch nicht dreißigjähriger Mann, der eine städtische Schule besucht und sein Amt schon vom Vater und Großvater ererbt hatte; Fritz-Unkel Wehlandt und Fritz-Unkel Lemke als Bauern im Ruhestand; der größte Viehhändler des Dorfes, der Tischler, der Fischer und verschiedene Bauern. Es ging gleich am ersten Abend heiß her. Alle waren viel älter als ich, zum Teil konnten sie mein Großvater sein. Ihre eigenen Kinder gehörten noch lange nicht in diese Stube, ich war ja aber als „Lütter Lehrer“ doch schon Standesperson. Vergessen darf ich nicht, dass mir besonders der alte Fischermeister gefiel, der eigenartigerweise fast in jedem Satz das Wort „anmutig“ als Attribut verwandte, obgleich er doch plattdeutsch sprach. Mir kamen bald Bier, Zigarren und Schnäpse auch „anmutig“ vor, besonders der eine Schnaps, der hier die Hauptrolle spielte. Es war der Kolanußlikör von Krahnstöver aus Rostock, über dessen Bedeutung Fritz-Unkel Wehlandt mich gleich mit dem Vers aufklärte: „Hast Du Verdruss, trinkst Du einen Kolanuß, hast Du einmal viele Verdrüsse, so trinkst Du viele Kolanüsse.&#8220; Glücklicherweise war an diesem Abend so frühzeitig Schluss, dass ich trotz meiner geringen Übungen auf Kommersabenden in Neukloster die erste Prüfung durch die Dorfältesten doch noch mit „genügend“ hinter mich bringen konnte.</p>
<p>Am nächsten Morgen musste der Gehrock angezogen werden, galt es doch, dem Herrn Ortsschulinspektor meinen Besuch zu machen. Ich setzte die Melone auf und trat den Weg zum Herrn Präpositus an. Der fast 80-jährige Pastor empfing mich im Schlafrock und mit der Samtkappe auf dem, Haupte. Er kannte bereits 9 Sprachen, und ich störte ihn gerade beim Studium des Chinesischen. Er ließ gleich eine Flasche Rotwein kommen und bot mir eine Zigarre an. Der alte Herr redete gar väterlich mit mir, und ich bekam das Gefühl, dass ich von ihm nur Gutes erfahren würde. Nur einmal überlief es mich heiß, als er mich fragte, wo ich essen wolle, und ich die Gastwirtschaft nannte. Da sagte er: „Ja, ja, es sind gute Leute, fromme Leute; jeden Sonntag sind sie in der Kirche. Aber es ist ein Krug, und da wird Schnaps getrunken!“ Diesen letzten Satz rief er in Ekstase, und mich überkam alttestamentliche Furcht. Sollte er schon von meinem ersten Auftreten im Gasthaus erfahren haben? Er kannte seine Gemeinde und wusste, dass der Alkohol eine ganz große Rolle im Dorf spielte. Es ging aber alles gut ab. Rotwein ist ja auch kein Schnaps, macht die Menschen nicht aufgeregt, sondern beruhigt sie. Ich habe bei dem alten Herrn noch oft eine Flasche mittrinken dürfen, nur einmal nicht. Davon werde ich noch erzählen. An dieser Stelle will ich aber gleich berichten, dass mir seine Predigten über alle Maße gefallen haben. Nie ließ er sich, wie manche seiner Amtsbrüder verleiten, einen Bibelspruch an den anderen zu reihen oder theologische Vorträge zu halten. Er las in der Kirche ein Evangelium vor und malte in seiner Predigt diese Geschichte dann in allen Einzelheiten aus, so dass die Zuhörer ihm immer aufmerksam folgten und wirklich etwas von Christi Lehre mit nach Hause nahmen.</p>
<p>Am nächsten Morgen begann mein erster Schultag „vor“ der Front. Der Herr Präpositus kam und führte mich ein. Ich erwartete nun, dass er mich in meiner schweren Situation anschießend allein lassen würde. Aber nein, er sagte einfach: „Nun fangen Sie an!“ Glücklicherweise hatte ich damals noch nicht viele Hemmungen durch pädagogisches Wissen um die verschiedenen Möglichkeiten des Unterrichts. So fing ich an. Und der Herr Ortsschulinspektor verließ mich den ganzen Vormittag nicht. Dann drückte er mir seine Zufriedenheit aus, ging nach Hause und kam in dem ganzen Jahre nicht wieder in meine Klasse. Leider wusste ich das an diesem Tage noch nicht. So kam ich ziemlich erschlagen aus meinem ersten Gefecht, war ich doch erst ganze 17 Jahre alt. Aber gerade die Unbekümmertheit der Jugend ließ mich bald glauben, dass ich schon ein Schulmeister wäre. Die Schüler aus dem großen Bauerndorfe waren nicht schwer zu regieren. Mit den „Köpfchen“ der Eingeborenen blieb es zwar nur Durchschnitt aber einige Bauerntöchter hatten sich Männer von der „preußischen“ Nachbarschaft geholt. Das neue Blut ihrer Nachkommen lieferte die Spitzen in den beiden Klassen. Es waren aber auch zwei Dominialhöfe eingeschult. Von dort kamen die Schüler mit Krätze und mit den unerlaubten Schulversäumnissen. Natürlich machte ich ohne Bedenken meine monatlichen Meldungen über solche Versündigungen. Der Landdrost in Röbel schickte dann den Herrn Landreiter, der sofort die Strafgelder einzog. Bei der Gelegenheit besuchte er auch uns, natürlich im „Gemeinschaftshaus“ des Dorfes. Das war die Gastwirtschaft. Er fuhr mit einem flotten Einspänner vor, und bald saßen wir vor einem Kolanuß und einem frischen Glase Bier. „Prosit Herr Landreiter!“ „Prosit, meine Herren! Ja, als ich noch Stabstrompeter bei der Artillerie in Schwerin war, da konnte ich noch trinken. Jetzt hat es mir der Arzt verboten. Ich richte mich auch genau nach seinen Anordnungen. Kein einziges Glas Bier und keinen einzigen Schnaps genieße ich seit langer Zeit Von keinem lasse ich mich bereden. Nein, die Zeiten sind endgültig vorbei. Prosit, meine Herren. Ja früher, das waren noch Zeiten. Vorbei, vorbei! Kein Glas darf ich mehr trinken, und ich trinke auch keins mehr. Wohlsein, meine Herren! Ja, ja, es ist zu traurig, wenn man nicht mehr trinken darf. Aber ich halte mich daran, ich tu&#8217;s nicht mehr. Nein, das ist aus. Prosit, prosit!“ Und so ging es stundenlang. Der Wirt brachte Glas um Glas, jedes wurde leer. Aber immer noch dauerte sein Monolog: „Vorbei, vorbei!“</p>
<p>Der erste Lehrer war ein Mann von etwa 35 Jahren. Er war an allgemeiner Bildung seinen meisten Standesgenossen überlegen, fühlte sich mit Recht nicht an seinem richtigen Platz und litt körperlich und seelisch darunter. Auf alle Fälle war er aber der König des Dorfes. In dieser Stellung gab es nur einen Konkurrenten, das war der Pastor, und der war alt. Gelegentlich kam es aber doch zu harten Konflikten. Der Pastor war Vorsitzender des konservativen Ortswahlvereins. Der Lehrer gründete einen liberalen Wahlverein und wurde dessen Vorsitzender. Der Pastor leitete den Gesangverein, der Lehrer gründete einen Kriegerverein. Der Pastor ging nicht zu Krug. der Lehrer jeden Tag. Dort spielte er auch in einem Skatklub mit. Ich blieb natürlich auch jeden Abend dabei und half im Kartenspiel aus, wenn einer fehlte. Dort habe ich erst den Null ouvert spielen gelernt. Der Viehhändler guckte bei mir in die Karten und sagte: „Spielen Sie doch Null ouvert!“ Ich flüsterte: „Das kann ich doch nicht, dann müsste ich doch einen mehr drücken können?“ Er nahm mir die Karten weg drückte drei, warf die Karten auf den Tisch und rief: „Null ouvert! Gar nicht zu kriegen.“ Damit hatte er die Karten schon wieder zusammen und fing an zu mischen. So habe ich gelernt, dass ein solches Spiel mit drei Karten zum Drücken in Kieve sogar schon einen recht guten Null ouvert bedeutet. Oft wurden in vorgerückter Stunde noch mehr gedrückt. Nur dem alten Fritz-Unkel Wehlandt glückte das Experiment nicht mehr immer. Wurde er ertappt, so brummelte er: „Heww mi verseihn, heww mi verseihn.&#8220; Damit war die Angelegenheit dann auch erledigt.</p>
<p>Eines Tages fragte mich der Pastor, ob es einen Skatklub gäbe und ob der erste Lehrer mitspiele. Ich „wusste von nichts“, erzählte aber dummerweise dem Kollegen von dieser Nachfrage. Als geborener Choleriker explodierte er sofort und wollte gleich zum Pastor stürmen und sich diese Erkundigungen verbitten. Ich bat, davon Abstand zu nehmen, weil ich dann mit in den Lärm hineinkäme. Das könnte mir doch von großem Schaden sein, da mir der Ortsschulinspektor ein Zeugnis zur Seminaraufnahmeprüfung ausstellen müsse. Der Kollege versprach zu schweigen. Aber bei irgendeiner anderen Auseinandersetzung zwischen den beiden Päpsten des Dorfes ging die Natur mit dem Lehrer durch. Er brachte die Geschichte vor. Es kam zu einem großen Krach. Beide sprachen nicht mehr miteinander. Der Pastor schickte am Sonnabend die Liedernummern, die am Sonntag gesungen werden sollten, durch Boten. Der Lehrer „beierte“ jedes Mal mit Wut den Sonntag ein, denn hier wurden dazu die Glocken nicht geläutet, sondern mit alter Kunst durch Handbetätigung der Klopfer im Rhythmus zum Tönen gebracht. Ich bekam meine Abreibung und keinen Rotwein. Und das Wunderlichste: Der Pastor zeigte den Lehrer beim Superintendanten an, weil er im Gasthaus Karten gespielt hatte. Etwa bis zum Jahre 1900 hatten diejenigen Lehrer, die zugleich Küster und Organist wurden, einen Revers unterschreiben müssen, der ihnen bestimmte Nebentätigkeiten verbot. Dieser Revers stammte noch aus der Zeit, als manche Lehrer nebenbei ein Gewerbe wie das eines Schneiders oder Schuhmachers betrieben. Da sie aber zu der „Geistlichkeit“ gehörten, sollten sie gewisse Berufe wegen des Ansehens nicht ausüben. So hieß es in dem besagten Revers: „Hausieren, Herbergieren, Aufspielen zum Tanz, Kartenspiel, vornehmlich im Gasthaus, sind dem Lehrer und Küster verboten.“ Einen solchen Schein hatte mein Kollege seinerzeit auch noch unterschreiben müssen. Das wusste der Herr Präpositus, und so kam es zu der Anzeige beim Superintendenten. Der Herr wohnte in Malchin und war schon ungleich moderner. So kam also nichts nach dieser Anzeige. Aber damit war die Freundschaft nicht wieder geflickt. Eines Tages fand nun die Propsteisynode des Zirkels statt. Unser Pastor hatte dazu das Referat über die „Bewährung des neuen Mecklenburgischen Landeskatechismus in den Schulen“ übernommen. Hier half alles Chinesische nicht, und der Pastor kam in große Schwulitäten. Am Abend vor der Synode erschien im Schulhause Frau Marie Diers, die bekannte und gern gelesene Schriftstellerin, die eine Tochter unseres Pastors war und sonst in Berlin lebte. Mein Kollege ließ sich bereden und ging mit ins Pfarrhaus. Bei gutem Rotwein wurde das Referat fertig und die Freundschaft erneut. Als bald darauf der Präpositus an seinem 80-sten Geburtstag zum Kirchenrat ernannt wurde, hatten wieder alle etwas davon.</p>
<p>Ich sagte schon, das Gasthaus sei das „Gemeinschaftshaus“ des Dorfes gewesen. Hier wurden alle Männergeburtstage gefeiert. Dazu ließ man auf Anraten des ersten Lehrers Fässer mit echten Bieren und Originalschnäpse der besten Brennereien des Reiches kommen. Die Frauen standen hier noch im türkischen Recht. Wohnungen mit neuzeitlichen Möbeln gab es erst ganz wenige im Dorfe. Ofenbänke, klobige Tische und Schemel bildeten die Wohnungsausstattung. Spinnräder und Webstühle surrten und klapperten. Fast, jeder trug als Alltagskleidung selbstgewebte Stoffe. Abends waren noch vier Spinnstuben in Betrieb. Der älteste Sohn der Bauern bekam jeweils den Hof, die andern bauten sich eine Häuslerei und arbeiteten in der Forst. Fand ein Familienfest bei den Häuslerverwandten eines Bauern statt, so wurde es im Stammhofe ausgesteuert. Ich erinnere noch besonders die schweren Sitzungen bei Kaffee und Schnaps im Anschluss an Beerdigungen. Auch der „Lütte Lehrer&#8220; gehörte natürlich zur „Geistlichkeit“ und war somit Pflichtgast bei allen Familienfeiern. Schon am 3. Tage meiner Anwesenheit im Dorfe wurde ich zu einer Hochzeit eingeladen. Die Zahl der Gäste betrug 300. Bei Kindtaufen bediente die Hebamme am Tisch. Das Mittagessen begann mit Hühnersuppe. Für jeden Teller gab es ein halbes Huhn als Beilage. Manche, auch der Herr Kirchenrat, nahmen davon schon zwei Teller. Dann gab es Fische und dann Braten. Am Abend vor einer Kindtaufe hatten mich die Stammgäste im Krug beim Würfeln „Nackter Sperling“, „Ins Loch“, „Ums Loch&#8220; usw. so mit Kolanuß und Boonekamp eingeseift, dass am nächsten Morgen das Frühstück nicht stehen wollte. Und nun saß ich beim Mittagessen im Festhause dem Herrn Pastor gegenüber. Ich habe andauernde Angst ausgestanden. Mein Magen hat mich zwar nicht blamiert, aber viel habe ich ihm trotz allen Nötigen an dem Tage auch nicht geboten. Noch heute kann ich bei diesen beiden Schnäpsen „nicht richtig gegenan“.</p>
<p>Das Nachbardorf Buchholz war ein Freibauerndorf. Wenn in den anderen Dörfern Steuern bezahlt werden mussten (der Bauer 10 DM im Jahr, der „Lütte Lehrer“ 3 DM), dann nahmen die Buchholzer noch Geld mit nach Hause. Ihnen gehörte Wald, Jagd und Fischerei selber. Der erste Lehrer und ich durften dort jagen. Ich schoss meine erste Ente auf dem Zuge. Nach Meinung des Kollegen war sie am Herzschlag gestorben. Der Förster des Dorfes hat uns die Jagdmöglichkeit einmal verpetzt. Dann wollte er es wiedergutmachen und nahm uns dafür mit in die staatliche Forst. Sein Lieblingsthema war der „Damm durch den See“. Wenn man nach Buchholz wollte, so musste man um den ganzen See herum. Damit ging mindestens die Zeit von 1 ½ Stunden hin. Durch den See wäre man mit einer halben Stunde ausgekommen. Nun propagierte er jedem gegenüber den Bau eines Dammes durch den See. Alle lachten über dies Projekt, er aber blieb dabei. Der Förster war überhaupt ein Mann mit besonderen Ansichten. Kolik seiner Pferde kurierte er mit Kautabak. Als er einmal in der kalten Jahreszeit</p>
<p>zwischen Weihnachten und Neujahr seine Pferde scheren ließ, sie dann Kolik bekamen und er ihnen nun noch „Priem in den Schlauch“ steckte, da haben es sich die treuen Tiere doch entsagt und sind lieber gestorben. Der Forstmeister redete meistens wenig höflich mit dem Förster. Den Grund kenne ich nicht. Ich weiß aber aus eigener Anschauung, dass unser Förster am Telefon dauernd Verbeugungen machte, wenn sein Vorgesetzter mit ihm sprach. Natürlich gab es auch Wilderer im Dorfe. Ich hatte selber einen Schüler in meiner Klasse, dessen Vater bei einem Zusammentreffen mit Forstbeamten im Walde sein Leben hatte lassen müssen.</p>
<p>Der erste Lehrer war begeisterter Jäger und Angler. Zur Gemarkung des Dorfes gehörten zwei Seen, der „Große See“ und der „Glambeck“. Es waren „anmutige“ Seen, um mit den Worten des alten Fischermeisters zu reden. Er war nun schon auf dem Altenteil. Bei der letzten Verpachtung der Seen durch den Fiskus hatte ein auswärtiger Fischer das Gebot so hochgetrieben, dass der Sohn des alten Fischermeisters nicht mehr hatte weiterbieten mögen. So waren die Seen an den fremden Fischer verpachtet worden. Nun hatte aber die Pfarre an dem großen See seit alters her eine unbeschränkte Fischereigerechtsame. Diese war von dem Pastor immer an den jeweiligen Fischer extra verpachtet worden. Nun hatte der Pastor die alte Fischerfamilie weiter in ihrer Pacht belassen, so dass also auf dem See nun zwei Fischer völlig gleichberechtigt fischen konnten. Das gab viel Streit und Arger. Einmal waren dem einen Fischer die Netze zerstört, und dann brannte die geteerte große Wade des anderen Fischers auf. Wir hatten „Fischereigerechtigkeit“ von beiden Kombattanten. Oft fuhren wir mit einem Bauern zum Angeln. Wer den ersten Fisch fing. musste anschließend im Krug auch die erste Lage geben. Der Bauer war aber bei den ersten Schnäpsen immer geizig. So zog er seinen Haken durch den Wurm, damit er ja nicht den ersten Fisch bekäme. Einmal passierte es ihm, dass er trotz dieser Mogelei der Reingefallene war. Ein ganz kleines Fischchen hatte gerade über seinem Haken gestanden, als er mit Forsche nach einem Biss die Angel hochriss. Nach seiner Meinung musste ja der anbeißende Fisch nun den Wurm abreißen. Das tat er auch., aber der Haken bohrte sich in den unbeteiligten Witing und brachte ihn mit hoch. Das war uns die größte Freude des Tages. Wenn mein Kollege beim Kartenspiel zuerst nicht gleich einige gute Spiele bekam, so verführte ihn seine Natur sofort zum Meutern, und er meinte dann. dass er am ganzen Abend bestimmt keine gute Karte mehr bekäme. So ging es ihm auch beim Angeln. Eines Tages standen wir beide an je einem Ende des Bootes und angelten Barsche. Ich fing so nach und nach einige nette Burschen. Der Kollege fing vorläufig noch nichts. Sein Stimmungsbarometer sank entsprechend. Plötzlich höre ich hinter mir ein Krachen. Schlagen, Spritzen und Fluchen. Mein Angelgenosse zerschlug seine lange Bambusrute in furchtbarer Wut auf dem Bootsrand. Endlich hatte er einen guten Biss gehabt. Beim Anhauen war die äußerste Spitze der Rute abgebrochen. Davon die Explosion. Ich kannte ihn nun schon, sagte gar nichts, sondern ließ ihn abreagieren. Ich angelte weiter und zog einen Barsch nach dem andern aus dem Wasser. Dann fuhren wir an Land, schnitten eine krumme Erle ab, und mein Kollege hatte eine neue Angelrute.</p>
<p>Der erste Lehrer hielt viel vom Soldatentun. Er hat es zwei Jahre später durch die Tat bewiesen und ist bei Tannenberg geblieben. Aus dieser Einstellung heraus hatte er den Kriegerverein des Ortes gegründet Im Winter kam eines Nachmittags der Herr Landrat aus Röbel und überbrachte als Geschenk des Großherzogs dem Verein eine Fahne. Ich durfte als zukünftiger Rekrut auch an dem Festkommers teilnehmen. Als der Vorsitzende am späten Abend den Herrn Landdrosten an den Wagen begleitete, meinte dieser: „Verflucht, ich habe auf den Universitäten auch allerhand vom Saufen gelernt, aber ihr Kivver seid mir doch über!“ Im Sommer sollte nun das große Fest der öffentlichen Fahnenweihe unter Anteilnahme der benachbarten Kriegervereine stattfinden. Die Vorbereitungen zu diesem größten Fest, das jemals im Dorf hatte stattfinden können, nahmen alle Gedanken in Anspruch. Da fehlte z B. für den Vorsitzenden noch ein Offizierssäbel mit Portepee. Die Lage der Kasse ließ den Kauf dieser Waffe nicht zu. Wer konnte helfen? Na, Fritz-Unkel Wehlandt der alte Junggeselle. Wir gingen mit einer Abordnung an seinem Geburtstag zum Gratulieren zu ihm. Fritz-Unkel besaß ein Klavier. Es hatte aber keine Eingeweide, sondern spielte Hausbar. Einige Gläser ohne Fuß und Tassen ohne Henkel dienten dazu, uns die guten Spirituosen, die das Geburtstagskind auf Anraten meines Kollegen von Herrn von Melle aus Lübeck bezogen hatte, einzuverleiben. Die nötige Stimmung ließ nicht auf sich warten.</p>
<p>Schließlich brachten wir die Angelegenheit mit dem Säbel zur Sprache, und, wie gewünscht, Fritz-Unkel erbot sich als Stifter. Soweit waren wir nun. Aber dann die Sorge mit dem Parademarsch In der Nachbarschaft gab es zwar zwei junge Barone, die Reserveoffiziere waren. Einige Vereinsmitglieder schlugen diese Herren für das Abnehmen des Parademarsches aller teilnehmenden Vereine vor. Dem Vorsitzenden als gleichzeitigem Vorsitzenden des liberalen Ortswahlvereins gefiel dieser Vorschlag nicht. Zuletzt kam ihm eine Erleuchtung, und zwar eine wirklich vortreffliche. Er ließ die Veteranen des Krieges 1870/71 auf die Bühne treten und den Parademarsch abnehmen. Fritz-Unkel war auch dabei und stiftete für die Ehre gleich einige Fässer Bier. Es wurde ein Fest, das wahrscheinlich noch heute das Hauptgesprächsthema im Dorfe abgegeben hätte, wenn nicht schon 1914 der Krieg gekommen wäre. Durch ihn und seine Folgen hat das Dorf seine Ursprünglichkeit verloren. Die Errungenschaften des technischen Zeitalters worden übernommen und der Anschluss an den Verkehr hergestellt.</p>
<p>In meiner persönlichen Entwicklung hat die Schulassistentenzeit in Kieve eine nicht wegzudenkende Rolle gespielt. Und wenn mich auch seinerzeit die Röbeler vor den „swarten Kivvern“ gewarnt hatten, so sind sie mir doch alle in „anmutiger“ Erinnerung geblieben.</p>
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		<title>Marie Diers &#8211; Meine Lebensstrecke (Auszug)</title>
		<link>https://www.kieve.de/historisches/marie-diers-meine-lebensstrecke-auszug/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joerg M.]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Oct 2017 09:18:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kieve]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die zweite Pfarre, die unser Vater hatte, in der er dann noch über dreißig Jahre im Amt war, hatte ein anderes Gesicht als die erste. Das Dorf lag in sumpfiger Niederung, die Wiesennebel wallten abends Wie ein weißes Meer bis an die Gartenmauer. Das Pfarrhaus war eines der größten Und schönsten, in dem in dieser [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die zweite Pfarre, die unser Vater hatte, in der er dann noch über dreißig Jahre im Amt war, hatte ein anderes Gesicht als die erste. Das Dorf lag in sumpfiger Niederung, die Wiesennebel wallten abends Wie ein weißes Meer bis an die Gartenmauer. Das Pfarrhaus war eines der größten Und schönsten, in dem in dieser Beziehung ohnehin gesegneten Mecklenburg, war auch vollkommen trocken, aber im Dorf herrschten viel Krankheiten, und der Krug war selten leer, fraß Existenzen und Lebensglück Die Landwirtschaft, zur Pfarre gehörig, umfasste über 300 Morgen, in dem weiten Hof mit großen Ställen standen acht Pferde und etwa vierzig Kühe, einschließlich Jungvieh Der Garten war parkähnlich Aber der See lag weitab und hatte flache Ufer, er gehörte auch zur Pfarre, war aber später aus Versehen an zwei Fischer verpachtet, die sich mit ihren Rudern auf dem Wasser bekämpften Das Dorf war bei allen Forstleuten wegen der Wilddiebereien verrufen, die verträumte Poesie des ersten Dörfleins hatte hier keine Stätte. Öfter gingen die Gewehre los, der Schulze schnitt sich im Suff die Pulsadern auf. Das war später. Da trat mein Schüler Wilhelm Wolter ins Erbschulzenamt ein, aber duzen musste ich ihn weiter, wie ich den Krugwirt und viele andere duzte.<br />
Wie das so kommt &#8211; in diesem viel wilderen, unruhigeren und lange nicht so sittsamen Dorf haben wir uns unmenschlich glücklich gefühlt. In Schwarz war ich in mir verkrochen, verträumt, abseits. Hier war es, als wache ich mehr für die Umwelt auf. Ich war ja nicht viel dort, verheiratete mich, kam nur zu den Ferien mit meinen Kindern, aber wir kannten alle, lebten ihre Dinge mit und sie unsere.<br />
Der Umzug in dem furchtbaren Schneewinter, in dem unser Kaiser dann im März starb, war der tollste, den man sich denken kann. Der ganze Transport wurde geleistet von zwei Möbelwagen und Unzähligen offenen Leiterwagen, die von den Kiever Bauern gestellt waren. Das war grade kein ideales Packen, indessen den Umständen nach besser als im schönsten Möbelwagen, denn als meine Mutter und ich vorausfahrend aufs verschneite Feld kamen, steckte dort der Möbelwagen hilflos im achsentiefen Schnee, halb umgeworfen, von seinen verzweifelten Fuhrleuten umgeben. Wir arbeiteten uns dann selber durch die Schneemassen, um ihm Vorspann zu beschaffen, und kamen spät, halbtot gefroren, mit erschöpften Pferden vor dem leeren, eiskalten und verschlossenen Hause an, da uns noch niemand erwartete. In Decken gewickelt, verbrachten wir die Nacht. Ein paarmal glaubte ich schon, Mama atme nicht mehr und sei erfroren. Am Morgen ging das wilde Heizen los, am meisten in dem Oberstübchen, in das unsere Großmutter einziehen sollte, und das wir dann schon für ganz durchwärmt hielten. Als später ein Thermometer zur Hand war, erfand sich, dass wir es auf ganze 3 Grad über Null gebracht hatten.<br />
Dieser kalte Anfang war kein schlechtes Vorzeichen, wir sind sehr warm in Kieve geworden. Und wenn ich nichts dort gehabt hätte dort als Mutting Werth, die bloß plattdeutsch redete, aber in Punkt Lebensweisheit und innerer Bildung sich nicht vor den Feinsten zu verstecken brauchte, dann hätte ich genug gehabt. Ich habe bisweilen mit ihr im schlafenden Haus bis nach Mitternacht gehockt und sie dann leise hinausgelassen, damit die Türglocke nicht lärmen und morgen das große Gewundere losgehen sollte: »Nun sag mal bloß, was habt ihr euch nur die halbe Nacht durch zu erzählen gehabt?« Ja was? Leben und Lebensgeschichten, wie sie kommen und gehen, wie ihre Spur verweht &#8211; oder in Dichtungen, unbewusst aufgefangen, festgehalten wird noch für kommende Geschlechter. Manchen sind sie nichts. Manchen alles. Es kommt nicht darauf an, ob‘s aus engem oder weitem Kreise strömt, ob’s in philosophischen Wendungen spricht oder Plattdeutsch, von Mensch und Vieh. Nur was dahinter steckt, das macht’s.<br />
Meine olle Frau Werth hatte auch ihr Päckchen gehabt im Leben. Eine recht moderne Weisheit, die jeder Frauenrechtlerin gefallen wird, verzapfte sie auch einmal, als sie erzählte, wie sie Nacht für Nacht über die Dorfstraße gegangen sei, ihre im Wochenbett tobsüchtig gewordene Schwester zu pflegen, ach schlimmer, mit ihr zu kämpfen, und als ich mich wunderte, warum die Männer der Familie ihr nicht dabei halfen. »Ach Fräulein, wat sünd Manns? Wat feulen Manns? Gornix sünd Manns! Gornix feulen Manns!«<br />
Ihre Tochter hatte ihr lebendiges Herz geerbt. Ich sehe sie, bang beschwörend, vor meinem wilden Jungen, dem Liebling des Dorfes, stehen. »Ach Günther, ward du doch bloß und bloß ’n ordentlichen Mann!«<br />
Mit sechsundachtzig Jahren legte mein Vater sein Amt nieder und zog nach Neustrelitz. Es war in den Tagen des Umsturzes. Nicht im Kriege, aber im sogenannten Frieden verlor alles Geld und aller Besitz seinen Wert. Man umschreibt diesen Riesenbetrug mit dem sanft verschleiernden Namen: Inflation. Die stillen Opfer dieser Jahre sollen den entmenschten Urhebern dieser sog. Inflation, diesem Auswurf der Menschheit nicht vergessen werden. Wir haben traurige Bilder bewahrt aus dieser Zeit. Aber fest und treu in schlimmer Zeit stand der Menschenschlag in unserer alten Heimat, die Bauern von altem Schrot und Korn, die vor Sorge nicht zur Ruhe kamen, dass ihr alter Seelsorger, wie sie ihn noch auf seinen Grabschleifen nannten, Not litte. Sie packten zusammen, was nur ein Mann schleppen konnte, oft waren es an vierzehn Pfund Butter außer all dem Schachtwerk, und brachten es ihm in die ferne Stadt. Und Vater hat noch darüber gebrummt. Ich musste ihnen sagen, er wolle sich von seiner Gemeinde nicht immer beschenken lassen. »Ach wat,« sagten sie mir. »Uns’ Herr Kirchenrat, de het uns väl mihr schenkt, as wi em je schenken künn. De is Dag un Nacht für uns dor west und het uns den Gesangverein gründet, und so künn kein Anner uns miehr helpen in de letzte Not, as hei uns ümmer hulpen het. Nee, dat latens man sien, dat’s allens in Ornung.«<br />
Als wir ihn mit unsrer Mutter gemeinsam im Frühlingswind begraben, sind seine alten Gemeinden, auch die früheren, in Scharen gekommen und haben bis ins Herz bewegt Abschied von ihm genommen. Und in der Heimat gingen die Glocken zu derselben Stunde, und die Zurückgebliebenen haben gebetet und geweint.<br />
Sonne überm Land. Wenn ihr nach Treue sucht, geht Zu den Bauern nach Mecklenburg.</p>
<blockquote><p>Dieser Auszug enthält eine Passage aus dem Buch &#8222;Meine Lebensstrecke&#8220; von Marie Diers aus dem Jahr um 1895, erschienen im Kranzverlag des Christl. Zeitschriftenvereins Berlin. Marie Diers (1867-1949) war die Tochter des mecklenburgischen Pastors Carl Binde (1833–1923), der von 1888 bis 1918 in Kieve Pastor war.</p></blockquote>
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		<title>Die Industrieschule in Kieve</title>
		<link>https://www.kieve.de/historisches/die-industrieschule-in-kieve/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joerg M.]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Oct 2017 16:37:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kieve]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Da Kieve ja ein Domanialdorf war, wurde auch hier in den sechziger Jahren des 19. Jhd. eine Industrieschule errichtet, in der der Unterricht 1863 begann. Pflichtfächer der damaligen Zeit waren: Stricken, Nähen, Stopfen, Flicken, Spinnen, Haspeln, Winden, Spulen, Waschen, Plätten, Zuschneiden von Hemden und Frauenkleidungsstücken. Im Ermessen der Schulbehörde lag es, ob auch Weben, Netze [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Da Kieve ja ein Domanialdorf war, wurde auch hier in den sechziger Jahren des 19. Jhd. eine Industrieschule errichtet, in der der Unterricht 1863 begann. Pflichtfächer der damaligen Zeit waren: Stricken, Nähen, Stopfen, Flicken, Spinnen, Haspeln, Winden, Spulen, Waschen, Plätten, Zuschneiden von Hemden und Frauenkleidungsstücken.</p>
<p>Im Ermessen der Schulbehörde lag es, ob auch Weben, Netze machen und Stoffe flechten gelehrt wurde. Die erforderlichen Arbeitswerkzeuge, wie beispielsweise Spinnräder, Näh- oder Stricknadeln, mussten teilweise von den Schülern selbst mitgebracht werden. Auch das Material mussten die Schüler mitbringen, durften allerdings die fertigen Arbeiten auch behalten. Für die Armen wurden in dieser Hinsicht besondere Regelungen getroffen.</p>
<p>Die Pflicht des Schulbesuchs bestand für alle Mädchen vom 8. Lebensjahr bis zur Konfirmation, denen nicht anderweitig genügend Unterricht in den gewöhnlichen weiblichen Handarbeiten zukam; für die Knaben desselben Alters galt der Schulbesuch auf der freiwilligen Basis.</p>
<p>Wöchentlich wurden acht Unterrichtsstunden gegeben. Dabei gab es für Sommer- und Wintermonate verschiedene Regelungen. Die Schule war ein kirchliches Gebäude. So musste die Anwesenheitsliste vierteljährlich an den Prediger eingereicht werden, der dann gemeinsam mit dem Schulvorsteher unzureichenden Schulbesuch beim Amt anzeigte und Strafe beantragte. Pro versäumten Tag wurde eine Geldstrafe gefordert. Dabei hatten die Hauswirte, Erbpächter und Büdner das Vierfache von dem zu zahlen, was Einlieger und Tagelöhner zu geben hatten. Bei wiederholter Zahlungsunfähigkeit gab es Gefängnisstrafe.</p>
<p>Die Lehrerin stand unter Aufsicht des Amtes und des Predigers, der die Schule auch inspizierte und Anordnungen traf, denen Folge zu leisten war. Oberste Gebote waren Sittlichkeit, Fortschritt, Ordnung und Fleiß. Der Unterricht hatte mit Unparteilichkeit geführt zu werden.</p>
<p>Wieviel Kinder in Kieve unterrichtet worden sind, wissen wir allerdings nicht. Das Gehalt der Lehrerin wurde nach der Anzahl der Kinder bestimmt. Die Schule befand sich schon damals im Gebäude neben der heutigen Gaststätte. Sie existierte bis in die Zeit des Nationalsozialismus.</p>
<pre>Quelle: 1232 - 1982, 750 Jahre Kieve - Eine Chronik, erarbeitet von Gerd Koths</pre>
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		<title>Kieve im 18. Jahrhundert</title>
		<link>https://www.kieve.de/historisches/kieve-im-18-jahrhundert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joerg M.]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Oct 2017 16:32:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kieve]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schon zu Beginn des 18. Jhd. wird dann der Stand an besetzten Gehöften erreicht, welcher sich bis ins 20. Jhd. hielt. 1703-35 sind ein Schulze, neun Bauern und fünf Kossaten registriert. Die Kossaten sind in der Zwischenzeit zu Halbbauern aufgestiegen und dem Schulzen wurden im Laufe des 18. Jhd. die letzten Sonderrechte hinsichtlich Dienste und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Schon zu Beginn des 18. Jhd. wird dann der Stand an besetzten Gehöften erreicht, welcher sich bis ins 20. Jhd. hielt. 1703-35 sind ein Schulze, neun Bauern und fünf Kossaten registriert. Die Kossaten sind in der Zwischenzeit zu Halbbauern aufgestiegen und dem Schulzen wurden im Laufe des 18. Jhd. die letzten Sonderrechte hinsichtlich Dienste und Abgaben genommen.</p>
<p>1703 hat er ebenfalls nur 72 Scheffel Aussaat für den Acker wie die Bauern. In einem Protokoll des Jahres 1726 heißt es, dass der Acker der Kiever Feldmark so miserabel sei, dass die Untertanen kaum davon leben könnten, weil sie ihn nur jedes sechste, neunte, ja sogar zwölfte Jahr bestellen könnten.</p>
<p>Im Generalpachtanschlag des Domanialamtes Wredenhagen aus dem Jahre 1775 finden wir eine genaue Beschreibung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Einwohner Kieves. So lesen wir darin, dass die Felder de; Bauern durch die Schweine- und Schafhütung des Vorwerkes Mönchshof äußerst gelitten hätten, und es gelte, von Seiten des Amtes dem Vorwerk Grenzen zu setzen, da die Untertanen (die Kiever Bauern) kein anderes Gewerbe hätten als Ackerbau und Viehzucht. Außerdem, so heißt es, betrieben sie den Kartoffelanbau (wir hören hier erstmals davon) recht fleißig und hätten sich auch Obstbäume notdürftig angepflanzt. Nach der kurze Zeit zuvor durchgeführten Räumung des Eldestromes, durch dessen Überschwemmungen und mangelnde Vorflut die Bauern viel gelitten hätten, fingen sie nun auch an, ihre übrigen Feld- und Wiesengräben zu räumen. An Holz können die Bauern nur wenige Birken und Erlen ihr Eigen nennen. Sämtliche Höfe sind dem Amt leibeigen.</p>
<p>Aus einem uns erhaltenen Hausbrief für den Hufner Johann Michael Woher aus dem Jahre 1809 geht hervor, in welchem Zustand sich der Hof befindet, als der Vater aus Altersgründen an den ältesten Sohn das Grundstück weitergibt. Interessant ist dabei besonders, welche Vereinbarungen hinsichtlich der Altenteileversorgung getroffen werden. So hat der Erbe die Eltern jährlich mit genau bestimmten Mengen an Roggen, Gerste, Buchweizen, Erbsen, Leinsamen u. ä. zu versorgen. Der alte Hausherr, so wird ausdrücklich betont, ist nicht mehr verpflichtet zu arbeiten, kann jedoch freiwillige Arbeiten wie zum Beispiel die Hütung übernehmen. Vom Erben ist das Futter für eine Kuh und vier Schweine jährlich zu stellen.</p>
<p>Zu den Reformen des 18. und 19. Jhd. gehörte vor allem die Separation der Ländereien. Darunter haben wir die Aufteilung der Flächen an die einzelnen Bauern zu verstehen. Die Separation der Kirchen- und Pfarrländereien erfolgte in Kieve in den Jahren 1808-26, die der Bauern 1844-46.</p>
<p>Im Jahre 1872 wurden die 15 Hauswirte bis auf 2 zu Erbpächtern. Aus einem Erbpachtvertrag können wir ersehen, welche Veränderungen dadurch eintraten. Die herzogliche Kammer überließ mit diesem Vertrag dem Hauswirt die Hufe Nr. 6 (heutiger Genenzscher Hof) zum erbrechtlichen Besitz. Statt einem Kanon (ständige, jährlich wiederkehrende Zahlung) schuldet er dem Herzog die Kaufsumme von 9.475 Mark (mit 4 % Zinsen!) für Acker, Wiesen, Weide und Garten sowie die Summe von 6 300 Mark (5 % Zinsen) für Gebäude, Inventar, Saaten und Bestellung. Welche gewaltigen Summen das waren, können wir uns vorstellen, wenn wir wissen, dass 1880 eine Kuh ca. 300 bis 400 Mark kostete. Bis 1945 hatte eine Anzahl von Bauern diese Summe nicht tilgen können. Daran können wir auch ersehen, dass zweifelsohne der Herzog den größeren Nutzen von der Vererbpachtung hatte, obwohl nun die Produktivkräfte frei und der Hof vererbbar war. Ausgeschlossen war die Jagd auf verpachteten Grundstücken.</p>
<p>Viehsterben, Misswuchs, Viehplage, Ungeziefer- und Wildschaden gingen zu Lasten des Erbpächters. Auch die Dienste und Pflichten an die Pfarre und Schule, an gemeinnützige Einrichtungen und die Gemeinde waren von ihm ohne Unterstützung des Amtes zu tragen.</p>
<p>Außerdem musste &#8211; und das war oft eine beträchtliche Last, wie wir schon 1809 sahen &#8211; der Altenteiler versorgt werden. Vom Erbpächter durften keine Veränderungen am Gehöft vorgenommen werden. Jegliche personelle Veränderung bedurfte der Zustimmung des Amtes. Ihm allein stand jedoch das Recht der Kündigung zu. Im Verkaufsfall sicherte sieh die herzogliche Kammer das Vorkaufsrecht, auch zugunsten Dritter. Der Erbbesitz konnte nur einer Person zustehen, zulässig war aber der unentgeltliche Besitz mehrerer Erben des vorherigen Besitzers bis zur Erbschaftsteilung. Eine Vererbung des Besitzes an ein Mitglied der Familie bis zum 4. Verwandtschaftsgrad war dabei möglich.</p>
<p>Von den Einwohnern mussten für die Gemeinde &#8211; je nach Besitzverhältnissen &#8211; unentgeltliche Hand- und Spanndienste geleistet werden. Schon 1874 wurde beschlossen, dass bei Feuerausbruch die Handdienste von Büdnern und Einwohnern zu gleichen Teilen zu leisten sind. Fuhrleistungen hatten der Reihe nach durch die Erbpächter zu erfolgen.</p>
<p>Im Übrigen hatten 1922 beispielsweise die Vollbauern fünf, die Halbbauern und die übrigen Spannviehbesitzer einen Spanndiensttag zu leisten. Die Handdienste waren wie folgt verteilt:</p>
<ul>
<li>Vollbauern mit 50 ha Land 12 Tage;</li>
<li>Halbbauern mit 30 ha 8 Tage;</li>
<li>Büdner und Pächter mit 10 ha 3 Tage, mit 5-10 ha 2 Tage;</li>
<li>Büdner, Pächter, Häusler und Einwohner mit weniger als 5 ha Land einen Tag.</li>
</ul>
<p>Die Elde war schon immer öffentliches Gebiet und wurde deshalb auch nicht von der Gemeinde unterhalten. Die entstehenden Räumungslasten musste deshalb jeder Anlieger selbst tragen (die Gemeinde beteiligte sich 1900 mit 5 %, 1923 mit 25 %. Sie haben viele Schwierigkeiten durch den Fluss, bilden aber einen Elderäumungsverband, dem sich die Gemeinde mit ihren Ländereien 1923 anschließt.</p>
<p>Beträchtliche Schäden entstanden beispielsweise, als 1920 das Wehr (Stauanlage) in Wredenhagen eingerissen wird. Die Gemeinde hat infolgedessen unter einem ganz ungewöhnlichen Wasserstand zu leiden; Wiesen, Keller und Gärten stehen unter Wasser.</p>
<p>Etwas kurios mögen wir wohl folgende Begebenheit empfinden: 1873 hat die Gemeinde Kieve einem gewissen Magnus Behm bei der Abreise desselben nach Amerika finanziell unter die Arme zu greifen. 11 Thaler und 13 Groschen zahlt die Gemeinde, nachdem Behm gelobte, sie hätten keine weiteren Kosten mit ihm. Doch wird er wohl nicht der einzige gewesen sein, der auszog in das weite „Land der unbegrenzten Möglichkeiten&#8220;.</p>
<p>Ein gutes Stück Zeitgeschichte haben die Lindenbäume, die wir heute noch vor der Gaststätte und dem ehemaligen Schulhaus betrachten können, miterlebt. Sie wurden aufgrund eines einstimmigen Beschlusses der Dorfversammlung im Frühjahr 1879 gepflanzt.</p>
<pre>Quelle: 1232 - 1982, 750 Jahre Kieve - Eine Chronik, erarbeitet von Gerd Koths</pre>
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			</item>
		<item>
		<title>Kieve vom 11. bis 16. Jahrhundert</title>
		<link>https://www.kieve.de/historisches/kieve-vom-elften-bis-sechszehnten-jahrhundert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joerg M.]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Nov 2016 13:27:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kieve]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im 11. und 12. Jhd. drangen über die Elde deutsche Stämme vor und eroberten auch unser Gebiet. Ob sie die hier lebenden Slawen verdrängten oder ob sie mit ihnen verschmolzen, können wir nicht sagen. Wir wissen aber, dass es zu dieser Zeit und danach im 13. Jhd. Kämpfe gab, die sich bis zur Müritz ausdehnten [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im 11. und 12. Jhd. drangen über die Elde deutsche Stämme vor und eroberten auch unser Gebiet. Ob sie die hier lebenden Slawen verdrängten oder ob sie mit ihnen verschmolzen, können wir nicht sagen. Wir wissen aber, dass es zu dieser Zeit und danach im 13. Jhd. Kämpfe gab, die sich bis zur Müritz ausdehnten und ganze Landstriche verwüsteten. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Gegend um Kieve nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde, denn wir wissen, dass der Zisterziensermönchshof Kotze zu jener Zeit ein relativ großer Hof mit seinen 50 Hufen war. Neben Kieve besaßen die Mönche 1311 in der Wittstocker Heide weitere fünf Dörfer (Glawe, Wüsterade, Groß-Berlin, Schönfeld und Winterfeld). Das letztgenannte, Winterfeld, lag noch auf mecklenburgischem Gebiet, südlich von Kieve. Gemeinsam mit den eben genannten Dörfern bleibt Kieve unter geistlichem Regiment bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Etwa 100 Jahre früher hatten die Altenkamper Mönche diesen ihren Besitz für kurze Zeit an die Klöster Amelungsborn und Walkenried verpfändet, was aber auf das Verhältnis zu den Herrschern von Werle-Brandenburg keinen Einfluss hatte. Doch um die Mitte des 15. Jahrhunderts wird das anders. Schon mehr als 30 Jahre hatte das Altenkamper Kloster von diesem weit entlegenen Grundbesitz keinen Nutzen mehr gehabt, vor allem durch die rücksichtslose Besteuerung durch die Landesherren, aber auch als Folge raubritterlicher Räubereien und Brandstiftungen, welche in diesem Grenzgebiet besonders häufig waren. (Es ist anzunehmen, dass zu jener Zeit auch die fünf Heidedörfer zu Wüstungen wurden.)</p>
<p>Deshalb sah sich 1436 das Kloster genötigt, den alten Besitz (samt Kieve) an die Stadt Wittstock zu verkaufen. Aber viel Freude hatte auch Wittstock nicht daran.</p>
<p>Langwierige Streitigkeiten mit den mecklenburgischen Herzögen fanden ihr Ende erst 1841! Die förmliche Abtretung des Hofes Kotze mit der Mühle, Kieves und der wüsten Dorfstätte Winterfeld samt einigen Gerechtsamen in der Kotzer Heide (heute Wittstocker Heide) durch die Stadt Wittstock an die mecklenburgischen Herzöge war allerdings schon 1445 erfolgt. So wird dann im 16. Jhd. das Dorf Kieve aus einem Klosterdorf wieder zu einem herzoglichen Domanialdorf, wie es das vor Zeiten im 13. Jahrhundert gewesen war.</p>
<p>Die Kirche in Kieve stammt aus dem 13. Jahrhundert. Es ist ein frühgotischer, in gemischter Weise aus Felsen und Backsteinen aufgeführter Bau, den man in späteren Zeiten vielfach umgeändert hat. Im Westen schließt sich ein hölzerner Glockenturm an. Die Kirche und das Pfarrhaus stehen heute unter Denkmalschutz, ebenso ein typisches Kleinbauernhaus (Reihenhaus — Fachwerkbau), das aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt und in dem sich unsere heutige Gaststätte befindet.</p>
<p>Die Kirche spielte auch im gesellschaftlichen Leben eine dominierende Rolle. Über Jahrhunderte hinweg waren die Kirchen zu Kieve, Wredenhagen und Zepkow zu einer Parochie (Amtsbezirk) verbunden. Pfarrer war von 1525 bis etwa 1545 ein Pancratius Schwefer. Umfangreiche Ackergrundstücke gehören zu dieser Zeit der Kirche und Pfarre (beide haben in Kieve je eine Hufe), doch hat Herr Pancratius über Zugriffe von Seiten des Adels zu klagen. So sind ihm der beste Acker und die Hölzungen von vier Hufen auf Dambecker Feldmark durch Constantius (von) Freiberg weggenommen worden. Andererseits hat aber 1541 auch die Gemeinde über ihren, doch recht ungewöhnlichen Kirchherren allerlei Klagen vorzubringen.</p>
<p>So haben die Kirchenältesten der drei Gemeinden zu klagen, dass Schwefer oft auf Reisen ist und zeitweilig 10 bis 12 Wochen nicht predigt, weshalb auch Kranke des Trostes und Sterbende des Sakramentes hätten entbehren müssen. Außerdem macht Schwefer dem Krüger zu Kieve arge Konkurrenz durch den Ausschank von in Wittstock bezogenem oder selbst gebrautem Bier und von Wein, so dass der Krüger sitzenblieb auf seinem Wredenhagener Gebräu. Getrunken haben zu jener Zeit die Kiever Einwohner und ihre Gäste viel und gern, denn in einem Jahr wurden 68 Fässer Wredenhagener Bieres verkonsumiert (Grenzkrug!), die ein Bauer ausschenkte, der zugleich Krüger war.</p>
<p>1525/42 wohnen im Dorf Kieve: 1 Schulze, 31 Bauern, 4 Kätner (Häusler), 2 Schneider, ein Fischer. Der Schulze besitzt drei, sieben Bauern haben je zwei, 24 Bauern (darunter ein Pfarrbauer) je eine Hufe.</p>
<p>Als Abgaben und Pflichten wurden den Bauern Geldpacht, Rauchhühner, Sommer- und Herbstbede in Geld und zeitweise Landbede auferlegt. Außerdem bestellen sie die wüste Feldmark Winterfeld gegen eine Kornpacht.</p>
<p>13 bzw. 21 Bauern und Kätner geben Wasserpacht vom Kiever und Glambecksee, der Fischer auch von der „Beke&#8220; (Elde).</p>
<pre>Quelle: 1232 - 1982, 750 Jahre Kieve - Eine Chronik, erarbeitet von Gerd Koths</pre>
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		<title>Kieve im 30-jährigen Krieg</title>
		<link>https://www.kieve.de/historisches/kieve-im-30-jaehrigen-krieg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joerg M.]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Nov 2016 13:17:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kieve]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Um 1600 hören wir wieder von einer großen Not und Armut im Dorf, die allerdings nicht lange gedauert haben kann, denn in einem „Anschlag&#8220; des Großherzoglich-Mecklenburgischen Amtes Wredenhagen aus dem Jahre 1606 12 können wir lesen, daß die Bauern Kieves dem Amt zur Zufriedenheit dienen. Die Kossaten (Kleinbauern, Tagelöhner) leisteten nur Handdienste, während die Bauern [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Um 1600 hören wir wieder von einer großen Not und Armut im Dorf, die allerdings nicht lange gedauert haben kann, denn in einem „Anschlag&#8220; des Großherzoglich-Mecklenburgischen Amtes Wredenhagen aus dem Jahre 1606 12 können wir lesen, daß die Bauern Kieves dem Amt zur Zufriedenheit dienen. Die Kossaten (Kleinbauern, Tagelöhner) leisteten nur Handdienste, während die Bauern mit Wagen, Haken, Sensen und anderen Gerätschaften arbeiten und das geerntete Korn in die Scheunen nach Wredenhagen fahren.</p>
<p>Der Schulze (Peters-Schultze), so hieß es, diene nicht, sondern unternehme fortwährend weite- und lange Reisen. Er ist ein Freischulze, der auch frei ist von allen Abgaben, außer von der Landbede. Im Hinblick auf den Familiennamen Schultze ist es sehr wohl möglich, dass der Ahnherr dieses Geschlechts das Dorf gründete.</p>
<p>Es kam der 30-jährige Krieg mit seinen erschütternden Auswirkungen und Folgen. Zunächst muss unser Dorf verschont geblieben sein, denn nach 1632 besaß die Dorfschaft noch einen guten Viehbestand. Noch 1635 lebten im Dorf: der Freischulze, 30 Bauern (darunter ein Schmied), 8 Kossaten und ein Pfarrbauer.</p>
<p>Als wüst ist ein Bauernhof bezeichnet.</p>
<p>Marie Diers, eine Pastorentochter und Schriftstellerin, die zunächst in Kieve, später in Röbel und in Schwerin lebte, schrieb den Roman „Die Männer von Oewel&#8220;, in dem berichtet wird, dass die Bauern von Kieve durch das Anpflanzen von Bäumen, die Beseitigung aller Wege, die Ermordung jedes Fremden, der in ihr Gebiet eindrang, über 20 Jahre vom Krieg verschont blieben, bis durch die Pest und Verrat der Gutsherren (von Kambs?) auch dieses Dorf verwüstet wurde.</p>
<p>Der Krieg hatte arg gewütet, so hatten die kaiserlichen Soldaten auch den Pfarrer in den Tod getrieben, das Pfarrhaus und die Kirche ausgeraubt und schließlich das Pfarrhaus abgebrannt, ganz zu schweigen von den zahlreichen Gehöften, die sie dem Erdboden gleichmachten. Die Folge war natürlich auch ein großer Bevölkerungsrückgang. So sind in Kieve 1649 nur noch fünf Gehöfte besetzt.</p>
<p>Aber Bevölkerung und Viehbestand vermehrten sich aus diesen bescheidenen Anfängen verhältnismäßig schnell, denn wir hören schon 1663 wieder von einem Schulzen, 6 Bauern, 3 Kossaten, 4 Einliegern und Dreschern sowie einem Hirten, welche das Dorf bewohnen.</p>
<pre>Quelle: 1232 - 1982, 750 Jahre Kieve - Eine Chronik, erarbeitet von Gerd Koths</pre>
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		<title>Kieve &#8211; erste urkundliche Erwähnung um 1232</title>
		<link>https://www.kieve.de/historisches/kieve-erste-urkundliche-erwaehnung-1232/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joerg M.]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Nov 2016 10:56:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kieve]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kieve gehört zu den ältesten Gemeinden unseres Kreises. Der Name stammt aus dem Altslawischen und bedeutet so viel wie „Keulendorf&#8220;. Urkundlich erwähnt wird Kieve zuerst 1298, doch ist in der Urkunde nur von einem Weg, der nach Kieve führt, die Rede. In einer im Mai/Juni des Jahres 1311 in Tangermünde ausgestellten Urkunde wird Kieve erstmals [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Kieve gehört zu den ältesten Gemeinden unseres Kreises. Der Name stammt aus dem Altslawischen und bedeutet so viel wie „Keulendorf&#8220;. Urkundlich erwähnt wird Kieve zuerst 1298, doch ist in der Urkunde nur von einem Weg, der nach Kieve führt, die Rede. In einer im Mai/Juni des Jahres 1311 in Tangermünde ausgestellten Urkunde wird Kieve erstmals als Ort genannt. Markgraf Waldemar von Brandenburg schenkt das Dorf dem weit entfernten, am Rhein gelegenen Zisterzienserkloster Altkamp als Entgelt für dem Kloster zugefügte Schäden. Allerdings müssen die Mönche dafür 100 Mark brandenburgischen Silbers und Gewichtes an ihn entrichten. Die Sache wird erklärlicher, wenn wir erfahren, dass das Kloster schon seit achtzig Jahren in der Nachbarschaft von Kieve einen größeren Wirtschaftsbetrieb unterhielt, dessen Mittelpunkt der Kotzer Hof am See gleichen Namens, heute Mönchshof mit Mönchsee, mit fünfzig Hufen (1 Hufe entspricht ca. 20— 24 ha) bildete. Dieser war schon am 30. Dezember 1232 als Geschenk des Fürsten Nikolaus von Werte an das Kloster gekommen. Da zweifellos die Gegend unseres heutigen Dorfes zu diesem Zeitpunkt schon besiedelt war, gilt der 30. Dezember 1232 als Gründungsdatum unserer Gemeinde.</p>
<p>Ur- und frühgeschichtliche Funde, die in der Feldmark Kieve lokalisiert werden konnten, beweisen, dass unser Gebiet aber auch schon früher besiedelt war.</p>
<p>Kleine Feuersteingeräte, verschiedene Steinbeile, eine zierliche Bronzesichel, ein Ring aus Bronze, dazu Spinnwirtel und vor allem zahlreiche Tonscherben belegen die durchgehende Besiedlung der Gemarkung von der Mittelsteinzeit vor 6 000 Jahren über die Zeit der ältesten Ackerbauern und Viehzüchter in der Jungsteinzeit und über die Bronzezeit bis zu den Germanen. Wie bekannt, verließen die germanischen Stämme im Rahmen der weite Teile Europas erfassenden Völkerwanderung Mecklenburg. In die weitgehend siedlungsfrei gewordene Landschaft unserer Heimat drangen slawische Stämme ein, in unseren Raum speziell der Stamm der Müritzer.</p>
<p>Wie Funde beweisen, müssen die hier ansässigen Slawen friedliebend gewesen sein und Fischfang, Ackerbau und Viehzucht betrieben haben. Untersuchungen ergaben, dass Roggen, Zwergweizen, Gerste, echte Hirse, graugrüne Borstengrütze, Lein, Pferdebohnen und Ackersenf angebaut wurden. Man sammelte Eicheln, Haselnüsse und Holunderbeeren. Die Bearbeitung des Ackers erfolgte durch einen einfachen Holzpflug (Haken). Es wurden Rinder, Pferde, Schafe, Schweine und Ziegen gezüchtet. In geringem Umfang verarbeitete man Metalle, wie Bronze, Eisen und Silber, für Schmuck- und Gebrauchsgegenstände, Waffen, wie Schwerter und Speereisen, Findet man seltener. Die Waffen dienten vorwiegend zum Erlegen von Wild und zur Bekämpfung von Raubtieren. Als Hauptwaffe in der Abwehr diente eine kurze schwere Wurfkeule aus Eichenholz.</p>
<p>Gut entwickelt war das Töpferhandwerk. Bei Kieve wurden Tonscherben aus der Einwanderungszeit in der Nähe des Dorfes auf der „Dörpstell&#8220; gefunden. Es sind Scherben einer einfachen, recht groben unverzierten Tonware.</p>
<p>Hier haben wir die Keimzelle der Neubesiedlung mit Rodungen für den Ackerbau zu sehen. Da der Platz auch jungslawische Scherben der Vipperower Gruppe lieferte, kann er gleichzeitig als ältester Kern des heutigen Dorfes gewertet werden, das sich also aus einer slawischen Siedlung entwickelte.</p>
<p>Ein großer altslawischer Siedlungsplatz liegt auf den „Borgstäden&#8220; in der Nähe der bekannten Burgwälle an der Elde. Hier wurden zahlreiche reizvoll verzierte Tonscherben aus der Zeit des 8.— 10. Jhd. gefunden, dazu ein Wetzstein zum Messerschärfen.</p>
<p>Heute noch können wir etwa einen Kilometer nördlich des Dorfes in der alten Eldeschleife die beiden leider stark beschädigten Burgwälle gleicher Zeitstellung besichtigen, welche in unserem Bezirk die ältesten sind, Es ist eine Besonderheit, dass gleich zwei Wälle nebeneinanderliegen. Sie bestanden einstmals aus geschlossenen Ringwällen, wobei jeder von einem Wassergraben umgeben war. Dabei erreichten die Wälle in slawischer Zeit eine beträchtliche Höhe, ist die jetzt vorhandene Erde doch nur die Füllung der einstigen, aus einer Holzkonstruktion aufgeführten Befestigung (Holz — Erde — Mauern). Im Innenraum der umwallten Flächen standen dann in der Regel direkt hinter dem Wall kleine Holzhäuser. Sicher zogen sich in diese Burgen die Bewohner der großen Siedlung auf den „Borgstäden&#8220; bei Gefahr zurück. Beide Burgwälle waren wahrscheinlich zu jener Zeit durch eine Brücke verbunden.</p>
<p>Auch aus der Zeit der deutschen Ortsgründung liegen bemerkenswerte Fundkomplexe vor. So wurden am östlichen Dorfausgang Reste eines einfachen Töpferofens freigelegt und am Südrand Kieves Teile einer großen Töpfereiabfallgrube. Hier wurde die typische blaugraue frühdeutsche Keramik produziert, wobei der Ausschuss, sogenannte Fehlbrände, in eine große Abfallgrube wanderte.</p>
<p>Es wurden über 2 000 Randscherben ausgegraben, vorwiegend von mittelalterlichen Kochtöpfen mit gewölbtem Boden oder von Grapen, daneben auch Reste von verschiedenen Kannen, Bechern und Flaschen. Durch einen Vergleich mit einer Töpfergrube des 13.-14. Jahrhunderts aus Wredenhagen kann man deutlich unterscheiden, dass in Kieve für eine bäuerliche Bevölkerung, in Wredenhagen aber für den Bedarf der Burg produziert wurde.</p>
<pre>Quelle: 1232 - 1982, 750 Jahre Kieve - Eine Chronik, erarbeitet von Gerd Koths</pre>
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